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Buchvorstellung "Heimat, Identität, Glaube" von Hartmut Koschyk

In der Ungarischen Botschaft in Berlin fand gestern die Buchvorstellung "Heimat, Identität, Glaube" von Hartmut Koschyk statt.

Aus diesem Anlass hielt der Vorsitzender des Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen, Herrn Bernard Gaida ein Grußwort. Für eine hervorragende musikalische Unterhaltung hat der Sieger der 10. Staffel der berühmten Talentshow Lukas Gogol gesorgt, der mit deiner Musik das Publikum immer wieder aufs Neue begeistert.

Das vollständige Grußwort des Vorsitzenden Bernard Gaida:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Minister Zoltan Balog,
sehr geehrter Herr Dr. Peter Györkös, Botschafter von Ungarn,
sehr geehrter Herr Koschyk, lieber Hartmut,

heute Abend sind wir aus einem besonderem Anlass in der ungarischen Botschaft zusammengekommen. Nämlich einer Buchvorstellung. Der Titel: „Heimat, Identität, Glaube“. Der Autor: Hartmut Koschyk. Als ich vor einigen Wochen oder sogar Monaten gebeten wurde das Grußwort aus dem Anlass vorzutragen war ich stolz. Aber erst als ich verstanden habe, dass unter den Rednern ich der einzige Landsmann von Hartmut sein werde, habe ich erst die ganze Schwierigkeit zur Kenntnis bekommen. Einerseits als Schlesier, andererseits als Vertreter der deutschen Minderheiten nicht nur in Schlesien, Polen sondern Europaweit, möchte ich kurz über die Thematik und den Autor des Buches sprechen. Dies möchte ich als Schwerpunkt meines Grußwortes machen. So wie die meisten hier bin ich neugierig auf das Buch, welches heute vorgestellt wird. Als Freund und Landsmann des Autors weiß ich, dass in diesem Fall der Inhalt des Buches darüber erzählt, was für die Person, also für Hartmut Koschyk die wahrhafte, tiefe Leidenschaft und Überzeugung ist.

Es zeigt seinen Weg. Die politische Laufbahn von Hartmut Koschyk war immer mit der Thematik der Aussiedler, Vertriebenen und deutschen Minderheiten eng verbunden. Und was bedeutet das? Lassen sie mich das mit einem Beispiel begründen. Vor einigen Monaten habe ich mit einem hochrangigen Kulturpolitiker über die deutsche Identität diskutiert. Am Ende sind wir einig gewesen, dass wir in den deutschen Minderheiten vielleicht besser wissen was das ist, als oft hier in Deutschland der Fall ist. Wahrscheinlich weil wir uns tagtäglich die Frage danach stellen müssen. Klar, man merkt was Luft ist, meistens wenn sie fehlt. Das hat Minister de Maizière kurz gefasst als er sagte: „Auf eine gewisse Weise haben Sie, die Aussiedler, die deutschen Minderheiten und die nationalen Minderheiten in Deutschland diese Auseinandersetzung mit Identität, Tradition und Sprache vorgemacht.“
Durch deine familiären Wurzeln, die bis nach Oberschlesien reichen, hast Du, lieber Hartmut, immer ein besonderes Mitgefühl für uns Heimatverbliebene Deutsche gehabt. Und das Verständnis wie wir unsere Identität erleben, trotz sprachlichen Schwächen, war für uns immer ermutigend gewesen.
Aber die deutsche Identität ist unterschiedlich, weil sie in einer konkreten Heimat verwurzelt ist. Ein Schlesier trägt mit sich eine starke Identität. Trotzdem war sie immer offen gewesen. Deswegen habe ich immer gemerkt, wie sehr die schlesischen Wurzeln dem Autor des Buches schnell ermöglicht haben, auch die Menschen zu verstehen, die andere Wurzeln haben und mit anderen Erfahrungen konfrontiert waren. Ich bin sicher, dass wir diese Offenheit und Verständnis in dem Buch finden werden.
Und der letzte Teil der Triade, der Glaube. Ich konnte nicht bei vielen Wallfahrten oder Messen gemeinsam mit Hartmut Koschyk teilnehmen, aber die wenigen wo ich dabei war, haben immer die wahre Überzeugung gezeigt. Die schlesische Patronin Hl. Hedwig aus Andechs, oder die Hl. Anna aus dem oberschlesischen St. Annaberg haben uns wirklich verbunden.
Die Wichtigkeit der Triade hat eines Tages der Erzbischof Alfons Nossol am Ende der Wallfahrt der Minderheiten ausgesprochen als er sagte: „Sie brauchen mir für die Zelebration der Messe nicht zu danken, weil wir an der gleichen Front kämpfen, um die Identität der Menschen. Also um die Seele“. Er hat das auch ergänzt mit der Feststellung, dass der Mensch nur eine Identität besitzt und diese besteht aus unterschiedlichen Teilen, dem Glauben, der Volkszugehörigkeit, der Familie, der Sprache usw. Wenn ein Teil schwächt ist die ganze Identität im wanken. Aus diesem Grund ist es unsere Aufgabe als Volksgruppe stark miteinander verbunden zu sein und in Schwächemomenten die Identität wiederzubeleben. Wir bewahren oft die deutsche Sprache unter uns, in den Minderheiten, aber wir beleben sie auch.
In Gross Stein in Schlesien, bei der Eröffnung der Konferenz „Glaube – Stütze der Identität“, die wir gemeinsam organisiert haben, hast Du, lieber Hartmut gesagt: „für mich ist der christliche Glaube nicht nur in kirchlicher Hinsicht zentral, sondern gerade auch mit Blick auf die Bewahrung eigener kultureller Wurzeln und damit der eigenen Identität. Wer wüsste das besser als Sie?! Dies ist ein wesentlicher Grund, warum ich in meiner Arbeit als Beauftragter der Bundesregierung stets einen besonderen Schwerpunkt auf den Dreiklang von Heimat, Identität und Glaube lege.“ Ja, ich kann das bestätigen. Wir in den Minderheiten wissen das sehr gut. Manchmal kann man sagen, dass ohne unseren Glauben und der religiösen Tradition wären wir vielleicht nicht hier, wo wir uns jetzt befinden.
Der Glaube, auch wenn die Kirche nicht immer tolerant gegenüber unserem Deutschtum war, hat uns ermöglicht die schrecklichen Jahre der Nachkriegszeit zu überwinden. Noch gestern war ich an der Gedenkstätte des Lagers für Deutsche in Lamsdorf, am Samstag in Myslowitz-Rosengarten und Schwentochlowitz-Zgoda gewesen. Das Gedenken begann immer mit dem Gebet um zu zeigen, dass unsere Betrachtung über unsere Gedenkstätten nicht zu Relativierung der Geschichte führt, sondern zur Wiederherstellung ihres vollen Inhaltes. Es war auch nie mit der Feindlichkeit verbunden. Damals war der Glaube dazu da, um Kraft zu schöpfen und um Leid zu ertragen, heute wird der Glaube als ein Mittel der Aussöhnung genutzt.
Im Jahre 2015 in dem Bundesministerium des Innern habe ich und bestimmt auch einige Personen, die heute hier versammelt sind, an einer Veranstaltung von Hartmut Koschyk und Minister Thomas de Maizière, unter dem gleichen Titel; „Heimat, Identität, Glaube“, teilgenommen. Dort sagte Herr de Maizière einige wichtige Worte: „Ich bin der Meinung, wir sollten den Populisten und Radikalen diesen Begriff Heimat nicht so einfach überlassen. Wir sollten ihn verteidigen und selbstbewusst nutzen. (…) Nicht nur in Deutschland unterlagen wir in den letzten Jahren vielleicht einem Denkfehler: Wir dachten, die Bedeutung von Religion und Glaube nehme ab. (…)Ich meine, wir werden über Religion und Glaube wieder mehr lernen müssen, um alle Teile unserer Gesellschaft zu verstehen.“ Ja, um uns Minderheiten zu verstehen, bestimmt.
Ich bin sicher, dass alle diese Aspekte in dem Buch von Hartmut Koschyk zu finden sind. Zum Schluss möchte ich wiederholen, was ich hier in dieser Botschaft am 4.09 als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten zum Abschied sagte: „Du hast uns, lieber Hartmut zu den Erben von ganz vielen und wichtigen Aufgaben zugute der deutschen Minderheiten gemacht. (..) In Deinen Fußstapfen werden wir sicher den Zukunftsweg der deutschen Minderheit in Europa weiter erfolgreich pflastern können! Dies wünschen dir die deutschen Minderheiten, dass Du auch mit ihnen in Zukunft weiterhin verbunden bleibst.“
Das Buch, dass nach deiner beruflicher Tätigkeit veröffentlicht wurde, scheint zu zeigen, dass du der deutschen Minderheit treu bleibst.
Mit Spannung warte ich auf die Lektüre des Buches „Heimat, Identität, Glaube“. Danke für die Einladung und ich hoffe, dass unser junger Künstler Lukas Gogol, der Gewinner des Polenweiten Programms „Ich habe Talent“ hat euch schon allen Freude gebracht und noch bringen wird. Oft in Deutschland ist eine Meinung zu hören, dass die deutschen Minderheiten am Aussterben sind, ist vielleicht richtig ein Beispiel der jungen Generation kennenzulernen.

Danke.