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Schlesien Journal 16.02.2021

Heute bei uns eine neue Folge aus der Reihe „Hallo DFK“. Diesmal besuchen wir den DFK Kreis Gleiwitz in der Woiwodschaft Schlesien. Der DFK Vorstand erzählt uns über seine Tätigkeit und Projekte.

In die Kirche des Heiligen Georg in Laband lädt der DFK Kreis Gleiwitz am Samstag, den 20. Februar um 17:40 Uhr zu einer heiligen Messe für die Opfer der Oberschlesischen Tragödie ein.

Der oppelner Abgeordnete der Partei Solidarisches Polen Janusz Kowalski fordert die Demontage der zweisprachigen Ortsschilder auf den Bahnhöfen in der Gemeinde Chronstau. Zur Interpelation Kowalskis organisierte die Jugend der deutschen Minderheit eine Pressekonferenz.

Außerdem präsentieren wir eine neue Publikation der SKGD im Oppelner Schlesien unter dem Titel „Meine deutsche Geschichte“.

  • Publiziert in Video

"Dies ist euer Zuhause, ihr seid hier daheim" – zur Verteidigung der zweisprachigen Ortsschilder

"Dies ist euer Zuhause, ihr seid hier daheim" − es ist nur eine der Aussagen der Vertreter von sechs Jugendgruppen aus Oppeln*, die am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Hauptbahnhof in Oppeln versammelt wurden. Auf diese Weise setzte sich die Jugend für die zweisprachigen Ortsschilder ein, die am vergangenen Samstag Gegenstand eines Angriffs von Janusz Kowalski, stellvertretender Minister und Mitglied der Partei Solidarna Polska waren, der deren Entfernung forderte.

"Wir erwarten ein Ende der Spaltungspolitik. Deshalb stehen wir alle hier zusammen", sagte Zuzanna Herud, Vizevorsitzende des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit. Viele unterstützende Worte wurden von jungen Vertretern verschiedener Organisationen ausgesprochen. "Diese Ortsschilder sind Teil unserer Region; und sie ist in Polen als eine Region der Eintracht betrachtet" (Tobiasz Gajda, Vorsitzender der Partei Młodzi Demokraci Opole). "Wie lange noch werden sie versuchen, uns zu spalten? Haben wir im Moment keine anderen Probleme, als einen Keil zwischen Minderheiten zu treiben?" (Szymon Folp, Szymon Hołownia Ruch Obywatelski).

Mehr von der Pressekonferenz in Wochenblatt.pl.

Der Protest junger Menschen endet nicht bloß mit ihren Erklärungen. Es ist in erster Linie die Kampagne #wPolsceusiebie #naszHeimat, die sie initiiert haben, "die den Multikulturalismus der Region betonen und zeigen soll, dass Minderheiten seit Jahren in Polen leben. Auf diese Weise wollen junge Menschen stolz auf ihre Identität sein und Respekt vor Minderheiten und Multikulturalismus zeigen. Jeder, der Minderheiten, ihre Kultur, Sprache und Rechte, die in der Verfassung garantiert sind, unterstützen möchte, kann sich der Aktion anschließen ", sagen sie darüber. Wir haben am Montag mehr über die Aktion geschrieben. Seit ihrem Anfang sind Dutzende von Fotos in sozialen Medien vor dem Hintergrund zweisprachiger Tafeln erschienen. Die Aktion wurde auch im Ausland unterstützt − Fotos mit dem Hashtag #wPolsceusiebie #naszHeimat wurden nicht nur von Vertretern der deutschen Minderheit in Polen, sondern auch von Lenau Haus in Ungarn und AGDM - Arbeitsgruppe der Bundesunion der europäischen Nationalitäten in Berlin veröffentlicht.

Für die deutsche Minderheit sind zweisprachige Ortsschilder mehr als ein Symbol − sie sind ein Lackmustest für die Achtung der Minderheitenrechte. Zu ihrer Verteidigung erklärte sich zu Beginn der Woche Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius: „Die deutsche Minderheit in Polen ist durch die Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten sowie der Charta zum Schutz von Regional- und Minderheiten geschützt. Diese Regelwerke wurden von Polen ratifiziert und gelten dort als direktes Recht. Wir werden im engen Austausch mit unseren Partnern vor Ort genau darauf achten, dass die Rechte nationaler Minderheiten ohne jede Einschränkung zum Tragen kommen.“

Als Antwort auf die Aussage des stellvertretenden Ministers Kowalski, dass es sich um rechtswidrig installierte deutsche Namen handele, erklärt der Vorsitzende von SKGD Oppeln, Rafał Bartek, in einem Interview für TVP 3 Opole: "Wir sprechen nicht über deutsche, sondern über zweisprachige Ortsschilder“. In einer Erklärung für Radio Opole fügt er hinzu: "Die von MP Kowalski verwendeten Argumente wurden bereits 2014 analysiert und berücksichtigt. (...) Dann wurden alle Zweifel, die er heute auch aufwirft, endgültig ausgeräumt, was zur Einführung dieser Ortsschilder an den Stationen in Dembiohammer und Chrzonstau im Dezember 2015 führte. Das war bereits während der Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit, also war es eine Fortsetzung. Wenn diese Ortsschilder heute liquidiert würden, wäre mir klar, dass es eine politische Entscheidung wäre."

Der Streit um zweisprachige Ortsschilder hat auch einen breiteren Kontext, da die Volkszählung schon in zwei Monaten beginnen wird. Bernard Gaida, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Polen, appelliert: „Man muss nicht immer auf solch spektakuläre Weise das Recht der deutschen Minderheit auf die Sprache an Ortstafeln, Amtsschildern und in der Schule schützen. In zwei Monaten beginnt die Volkszählung, in der man antworten kann, dass man deutscher Nationalität ist und im Alltag die deutsche Sprache nutzt. Man antwortet dann allein am Computer. Aber von der Anzahl unser aller, die so eine Deklaration abgeben, hängt für die nächsten 10 Jahre das Schicksal der zweisprachigen Tafeln und des Deutschunterrichtes in den Schulen ab (...). Denken wir an Chrzonstau am 1. April."

*Auf der Pressekonferenz trafen sich Vertreter folgender Organisationen: Bund der Jugend der Deutschen Minderheit, Młoda Unia, Młodzi Demokraci Opolskie, Federacja Młodych Socjaldemokratów, Polska 2050 Szymon Hołownia Ruch Obywatelski, Młodzi Razem sowie Forum Młodych Ludowców.

 

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#naszHeimat - akcja młodzieży BJDM / #inPolendaheim - eine Aktion der Jugend der Deutschen Minderheit #naszHeimat - akcja młodzieży BJDM / #inPolendaheim - eine Aktion der Jugend der Deutschen Minderheit
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Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG, vor dem deutschsprachigen Ortsschild in Guttentag / Bernard Gaida, przewodniczący Związku niemieckich towarzystw społeczno-kulturalnych w Polsce, przed tablicą dwujęzyczną w Dobrodzieniu Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG, vor dem deutschsprachigen Ortsschild in Guttentag / Bernard Gaida, przewodniczący Związku niemieckich towarzystw społeczno-kulturalnych w Polsce, przed tablicą dwujęzyczną w Dobrodzieniu
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Die Gruppe der LeaderInnen der Jugend der deutschen Minderheit ELOm ist auch dabei  / Społeczność liderów i liderek mniejszości niemieckiej ELOm również włączyła się do akcji Die Gruppe der LeaderInnen der Jugend der deutschen Minderheit ELOm ist auch dabei  / Społeczność liderów i liderek mniejszości niemieckiej ELOm również włączyła się do akcji
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Do akcji dołączyła również Zuzanna Donath Kasiura,  Donath-Kasiura, radna województwa Opolskiego / der Aktion hat auch Zuzanna Donath-Kasiura, Rätin der Woiwodschaft Oppeln, beigetreten Do akcji dołączyła również Zuzanna Donath Kasiura,  Donath-Kasiura, radna województwa Opolskiego / der Aktion hat auch Zuzanna Donath-Kasiura, Rätin der Woiwodschaft Oppeln, beigetreten
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Eine Unterstützung findet die Aktion auch in Ungarn. Lenau Haus. / Akcja ma poparcie również na Węgrzech. Lenau Haus Eine Unterstützung findet die Aktion auch in Ungarn. Lenau Haus. / Akcja ma poparcie również na Węgrzech. Lenau Haus

  • Publiziert in Politik

#InPolendaheim – Jugend setzt sich für kulturelle Vielfalt

Die Jugend der deutschen Minderheit initiierte im Internet die Kampagne #wPolsceusiebie #InPolendaheim mit dem Ziel, die Menschen dazu zu ermutigen, sich Fotos vor dem Hintergrund zweisprachiger Ortsschilder zu machen. Dies ist eine Reaktion auf die Aussage eines Politikers der Partie Solidarna Polska, der meinte, dass zweisprachige Schilder an Bahnhöfen illegal installiert wurden.

Am Samstagmorgen, dem 6. Februar 2021, erschien im Internet ein Beitrag im offiziellen Profil von Janusz Kowalski, stellvertretenden Ministers im Ministerium für Staatsvermögen und Mitglieds des Sejms der 9. Amtszeit, in dem er die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zur Installation der zweisprachigen Schilder in zwei Städten in der Woiwodschaft Oppeln untergräbt.

Im Beitrag lesen wir unter anderem: "STOP zu illegalen deutschen Namen von Bahnhöfen in Polen. (…) Hier ist Polen! (...) Seit der illegalen Installation der deutschen Namen von Bahnhöfen in Chrząstowice (Chronstau) und Dębska Kuźnia (Dembiohammer) sind 6 Jahre vergangen. (…) Die Installation dieser Art von Kennzeichnung steht im Widerspruch zum in Polen geltenden Recht.“

Die Aussage des Politikers löste viele extreme Reaktionen aus. In den Kommentaren unter dem Beitrag lesen wir zum Beispiel: "In Polen darf es nur Namen auf Polnisch geben, hier gibt es POLEN UND NUR POLEN" oder "Wenn jeder anfängt, auf seine Weise zu regieren, führt dies zu einer vollständigen Desinformation und zum langsamen Verlust der nationalen Identität“ (Hervorhebung der Autoren). Diese Aussagen stehen im Einklang mit der Absicht des Abgeordneten, der wahrscheinlich Gemüter erhitzen und die Menschen gegen einen imaginären Feind stellen wollte.

Zur Ergänzung erinnern wir daran, dass – gemäß dem Gesetz über nationale und ethnische Minderheiten von 2005 – in Gemeinden, in denen mindestens 20% der Einwohner Vertreter von Minderheiten sind, die Einrichtung von Ortsschildern in polnischer und zugleich in Minderheitensprache vollkommen gerechtfertigt ist. In seiner Argumentation verweist der Abgeordnete auf das Fehlen im Gesetz einer entsprechenden Bestimmung über Bahnhofsschilder und behauptet, dass diese nicht mit Ortsnamen gleichzusetzen seien. Er vergisst aber dabei, dass die polnische Bahn PKP gemäß den "Richtlinien für die Kennzeichnung der Fahrgastinfrastruktur" die Verwendung von Fremdsprachen und regionalen Sprachen zur Kennzeichnung (...) in den Gebieten erlaubt, in denen gesetzlich anerkannte nationale und ethnische Minderheiten oder Personen leben".

Mehr über die Legitimität der Erklärung des Abgeordneten und über die Reaktion von Vertretern der deutschen Minderheit haben wir im Wochenblatt geschrieben (den vollständigen Text des Artikels lesen Sie hier).

Der Beitrag des Politikers verursachte sofort auch andere Kommentare von Internetnutzern. Dies sind nicht nur Hunderte von Stimmen, die sich ähnlichen Argumenten widersetzen und zahlreiche Beispiele für zweisprachige (einschließlich polnische) Namen von Bahnhöfen in anderen europäischen Ländern anführen. Internetnutzer gingen noch einen Schritt weiter. Als Reaktion auf die Erklärung des Abgeordneten startete die Jugend der deutschen Minderheit die Kampagne #wPolsceusiebie #InPolendaheim, um die Menschen dazu zu ermutigen, sich an Bahnhöfen oder an anderen Orten vor dem Hintergrund zweisprachiger Tafeln oder Schilder in Minderheitensprachen zu fotografieren. Wie die Initiatoren argumentieren, betonen die zweisprachigen Schilder "den Multikulturalismus unserer Region und die reiche Geschichte, auf die wir stolz sein können". Die Jugendinitiative wurde im Kreis der Minderheit lebhaft aufgenommen. Es ist erstrebenswert, diese Initiative weiter zu verbreiten; umso mehr, dass es kein typisches Beispiel ist, dass man eine aggressive Aussage mit einer anderen aggressiven Aktion zu bekämpfen versucht, sondern im Gegenteil – diese Initiative fördert positive Handlung.

Dies ist nicht das erste Mal, als zweisprachige Ortsschilder einer angespannten Reaktion ausgesetzt wurden. Es scheint, dass 13 Jahre nach der Installation des ersten zweisprachigen Ortsschildes in Polen (Łubowice / Lubowitz im Bezirk Racibórz / Ratibor) und damit verbundenen anfänglichen Schwierigkeiten* solche Vorfälle nicht mehr auftreten werden. Die Realität zeigt jedoch, dass fremdenfeindliches Verhalten ständig bekämpft werden muss. Das Wichtigste ist jedoch, es mit Bedacht zu tun.

Wir empfehlen Ihnen, die Kampagne #wPolsceusiebie #InPolendaheim zu verbreiten. Besonders im Jahr, in dem die Volkszählung stattfinden soll, ist es wert zu zeigen, dass Multikulturalismus wichtig ist. Und dass wir darauf stolz sein können!

* Mehr über die Installation der ersten zweisprachigen Ortsschilder im Oppelner Schlesien lesen Sie in einem Aufsatz von Bernard Gaida in der Publikation "Tożsamość. Kultura. Pamięć“, herausgegeben anlässlich des 15. Jahrestages des Gesetzes über nationale und ethnische Minderheiten (wir haben davon hier geschrieben; Text des Aufsatzes in polnischer Sprache).

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