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Deutsch-polnisches Geschichtsbuch als Medium des Dialogs

Ende des Jahres 2020 wurden Arbeiten am gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichtsbuch abgeschlossen. Nun wird das Buch breit vorgestellt. Das vierte Band, das das lange 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart thematisiert, ist der letzte Teil der 4-Bändigen Reihe und das Endergebnis der langjährigen Zusammenarbeit der Außenministerien der beiden Länder und zahlreichen Experten.  

Die Konfliktreiche erste Hälfte des 20. Jahrhunderts aus zwei verschiedenen Blickfeldern darzustellen war für die Autoren eine große Aufgabe. Denn es waren nicht nur die beiden Weltkriege, denen ein großer Teil des Buches gewidmet wurde; es waren auch minderheitenpolitische Konflikte und Territoriale Konkurrenz der Zwischenkriegszeit, die bis dahin beim Unterricht größtenteils nur am Rande angesprochen waren. Auch den Themen wie Zwangsmigration in der Endphase des Zweiten Weltkrieges und in der direkten Nachkriegszeit sowie die Situation in den Grenzregionen haben die Historiker nicht gewichen. „Diese kamen in Schulbüchern bislang kaum bis nicht vor, sind aber sehr spannend. Es sind Regionen, die nicht mit einfachem Denken von der Übereinstimmung von Nationalität, Sprache und Kultur zu fassen sind, wo die Identitätsfrage nicht einfach zu beantworten ist“ (Sebastian Wladarz, OMW Nordrhein-Westfallen).

An diesen sensiblen Themen haben „in den vergangenen drei Jahrzehnten Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler beider Länder in gemeinsamen Forschungsprojekten an kritischer historischer Erkenntnis erarbeitet“ so Historikerin Stephanie Zloch. Und gerade diese zweite Perspektive des Nachbarn ist das, was die Autoren des ganzen Projekts als besonderen Wert betonen: „Der Blick aus unterschiedlichen Perspektiven seien ein Blitzableiter, der die Ideologisierung der Geschichte verhindere“. Denn „in der Geschichte ist nichts schwarz und weiß“ sagt Robert Traba, Historiker und Politikwissenschaftler, der seit 2007 Vizevorsitzender der gemeinsamen Schulbuchkommission ist.

Die Frage, ob sich das Geschichtsbuch durchsetzt, weigert sich jedoch Robert Traba zu beantworten. Denn weder in Polen noch in Deutschland sehe er diese Begeisterung, wie in 2008, nicht. „Damals waren beide Seiten davon überzeugt, dass das gemeinsame Lehrbuch ein Meilenstein ist. Andere Dinge stehen derzeit im Rampenlicht. Und doch hat das Lehrbuch alle Voraussetzungen, um das Vorzeigeprojekt beider Regierungen zu sein. Sein Wort ist Dialog.“ 

Das vierte Band des Geschichtsbuches erschien Ende 2020. In Deutschland wurde es schon fast in allen Bundesländern als Schulbuch eingeführt; in Polen, aufgrund von unterschiedlichen Vorschriften, wird die Reihe noch als Ganzes begutachtet. 

Die Buchreihe „Europa unsere Geschichte“ wurde herausgegeben von der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission in Zusammenarbeit mit dem Georg-Eckert-Institut – Leibnitz-Institut für internationale Schulbuchforschung Braunschweig und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Autorinnen und Autoren: Asmut Brückmann, Krzysztof Gutowski, Friedrich Huneke, Aleksandra Kmak-Pamirska, Herbert Kohl, Jelko Peters, Birgit Scholz, Helge Schröder, Grażyna Szelągowska, Piotr Szlanta.
Das Buch erschien sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache. 

Quellen:
DIALOG Deutsch-Polnisches Magazin Nr 133 (03/2020) 
Polsko-niemiecki podręcznik do historii prawie gotowy" in Deutsche Welle (Text in polnischer Sprache) 
Fotos: http://europa-nasza-historia.org/

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Letzte Änderung am Mittwoch, 24 Februar 2021 12:38