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Bernard Gaida

Bernard Gaida

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Kolumne 30.11.2012 - Das kritische Maß

Seit kurzem waren die Minderheiten und vor allem die deutsche Minderheit beinahe die einzige Gemeinschaft, welche auf die Erscheinung der Intoleranz, der fehlenden Akzeptanz gegenüber der Andersartigkeit, der Feindseligkeit gegenüber allem was in Polen nicht genug polnisch ist,  aufmerksam gemacht hat. Dies wird in der Sprache ausgedrückt, welche wir als die Sprache des Hasses anerkannt haben. Vor einem Jahr als ich einen Kranz vor dem Denkmal der von den Nazis verbrannten Synagoge niedergelegt habe, sagte ich, dass das auch eine Warnung vor dem Verschweigen der  schuldlosen Zeichen der Intoleranz, welche direkt zur großen Tragödien führen, ist. In der letzten Woche hat die Sprache des Hasses in Polen die kritische Masse überschritten, da nicht nur die deutsche Minderheit, aber auch andere Parteien gegen die Attacken des Abgeordneten der PiS Sławomir Kłosowski  gegenüber den Rechten der nationalen Minderheiten protestierten. Eine wichtige Wortmeldung in der Diskussion ergriff der Premierminister Donald Tusk, indem er gegen die „Verfolgung von Minderheiten“  protestierte. Auch der Minister Michał Boni setzte ein Zeichen indem er eine Sitzung der Gemeinsamen Kommission, als Zeichen für die Unterstützung  der nationalen Minderheiten und als Protest gegen die Sprache des Hasses, einberufen hat. Darüber hinaus forderte der Minister die bis zum jetzigen Zeitpunkt schweigende Kirche zu reagieren. Die Sitzung der Gemeinsamen Kommission wies auf die bisherige Passivität der staatlichen Administration und Nachlässigkeit der Justiz gegenüber  der Volksverhetzung und Intoleranz. Der Minister kündigte die Vergrößerung der Anforderungen gegenüberden Bevollmächtigten der Woiwoden in Sachen der Minderheiten, indem er zur mehr Mut bei der Unterstützung der nationalen Minderheiten aufgerufen hat. Die Anordnungen  und Verbote können jedoch, obwohl sie wichtig sind, nicht die positive und ununterbrochene Unterstreichung der Werte der nationalen Minderheiten für die Region als deren Reichtum und Eigentümlichkeit ersetzen. In diesem Kontext erwies sich die Oppelner Konferenz zum Thema der Entvölkerung, an der auch der Premierminister Donald Tusk teilgenommen hat, als ein schlechtes Beispiel. Dabei sprach man über ein weiteres Regionalprogramm, wobei die Anwesenheit der schlesischen Deutschen penibel verschwiegen wurde. Das Definieren der demografischen Probleme in der Region, der Rekordemigration ohne die deutsche Minderheit zu erwähnen beweist, dass man sich von dem Kernproblem abkehrt. Es geziemt sich an dieser Stelle den Gründern der Speziellen Demografischen Zone zu sagen, dass die fehlerhafte Bestimmung des Problems ausschließlich zu einem falschen Programm führen kann.

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Kolumne 23.11.2012 - Was uns die Zeit schenkt

Am Donnerstag traf sich der Runde Tisch in Berlin, dieses Mal um die Umsetzung der von den Regierungen vereinbarten Aufgaben zu prüfen. Gleich am Anfang sagte Staatssekretär Dr. Bergner, dass sich der Versuch ein gemeinsames Evaluierungsprotokoll der beiden Regierungen zu erstellen als eine unmögliche Aufgabe gezeigt hat. Deswegen hat jede Seite eine eigene Meinung zu den Punkten vorgestellt. Neidisch haben wir zugehört wie konsequent die Punkte zu Gunsten der Polonia nach vorne gebracht wurden. Das Büro der polnischen Gesellschaften, welches schon in Berlin arbeitet konnten wir in der Pause besuchen und für das Dokumentationszentrum in Bochum wurde eine jährliche Finanzierung in Höhe von 300.000 Euro gewährleistet. Dafür haben sich die Vertreter der Polonia bedankt. Auch die anderen Punkte gehen nach vorne, deswegen besonders überrascht lass ich auf der Homepage der Deutschen Welle über eine niedergeschlagene Stimmung der Polonia, die aus dem Interview mit W. Lewicki herauskommt. Leider war unser Bericht in Berlin mehr eine Auflistung von Verspätung, fehlenden Finanzmöglichkeiten und gesetzlichen Beschränkungen. So wie schon in Juli haben wir erwähnt, dass eine einjährige Verspätung der Umsetzung nicht möglich nachzuholen ist. Nach einem Jahr vom Korrespondenzwechsel fingen wir erst vom April dieses Jahres an über die Änderungen der Bildungsstrategie zu reden und über weitere Punkte erst vom Anfang Juli.  Nur ein Beispiel ist, dass die Konferenz über Diskriminierung der Deutschen in der Volksrepublik Polen erst im Herbst 2013 stattfinden kann. Traurig ist auch, dass einer der Mitglieder des Runden Tisches Herr Albrecht Lempp, mit dem wir uns in Berlin unterhalten konnten am letzten Montag gestorben ist. Die Zeit schenkt uns nicht nur erfreuliche Momente aber auch die traurigen müssen angenommen werden. Wir wünschen ihmewige Ruhe.

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Kolumne 16.11.2012 - Kulturraum begreifen

Mein Lieblingssatiriker Eckart von Hirschhausen empfiehlt in Tagebüchern kleine, glückliche Momente zu beschreiben. Tut man das nicht vergisst man diese Momente im Austausch auf die Suche nach großen Dingen. Ein glücklicher Moment war für uns z.B. der Start des Internetportals der Deutschen in Polen, welches inzwischen schon intensiv lebt. Die Information des Portals, die am meisten erfreut, ist die Nachricht über die baldige Aufstellung der zweisprachigen Ortsschilder in der ersten Gemeinde der Woiwodschaft Schlesien -  Kranowitz. Die Freude von dem Portal kommt jedoch auch dank mancher Kommentare die beweisen, dass es dort gelesen wird wo die deutsche Minderheit keine Strukturen hat. Als Beispiel kann hier ein User aus Landsberg an der Warthe dienen. Der dortige Deutsche teilte uns seine Freude über das Portal mit, das ihm den dauerhaften Kontakt mit den Belangen der Deutschen in Polen zugänglich machen wird. Das Ende der Woche hingegen führte mich nach Turawa. Dort traf ich mich mit  unseren Vorständen und Mitgliedern. Das war eine Gelegenheit für den Erfahrungsaustausch in der organisatorischen Tätigkeit, aber auch über die Rückkoppelung zwischen der deutschen und schlesischen Identität. Genau das gleiche beschäftigte die Teilnehmer der am Wochenende in Groß Stein organisierten Tagung. Die Deutschen von der Mehrheit und die von deutschen Minderheiten u.a. Polens, Russlands oder Tschechiens diskutierten über die bemerkenswerten Änderungen der Identitäten. Gleichzeitig habe ich aber auch betont, dass nicht nur die Minderheiten nach dem Kontakt mit der gegenwärtigen deutschen Kultur streben aber auch, dass die Auslanddeutschen die Kultur mitgestalten. Der Besuch bei der Tagung hat mich wieder gestärkt in dem Gedanken, dass der deutsche Kulturraum viel breiter und bunter ist als man gewohnt ist zu denken. Breiter als die Grenzen Deutschlands!

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Kolumne 09.11.2012 - Unser Portal

Wenn diese Kolumne gelesen wird der Präsident der USA schon bekannt sein. Über den Wahlkampf wurde in viel berichtet, fast jedes Wort der Kandidaten kommentiert, jede Geste gesehen und das in jedem Land der Welt egal ob nah oder fern von Amerika. Ob es jemandem gefällt oder nicht, die Welt ist dank der Kommunikation so klein geworden, dass die Distanzen keine Bedeutung mehr haben. In einer solchen Welt lebt auch die deutsche Gemeinschaft in Polen. In 500 Orten wirkt die Gruppe, die nur selten zusammenkommen kann. Wie wichtig jedoch das Zusammenleben ist, zeigten die zahlreichen Busse, die vor kurzem hunderte von Kilometern fuhren um die Jahrhunderthalle  zu erreichen, wo das Treffen der ganzen Volksgruppe angesagt war. Keine Anstrengungen waren zu groß um das Gemeinschaftsgefühl zu erleben. Eine andere Form des Treffens und der Kommunikation unter den Deutschen in Polen, aber auch unter denen, die an der deutschen Kultur interessiert sind ist dank des neuen Internetportals, das unter die Adresse www.vdg.pl zu finden ist möglich. Was ist in einer Familie wichtiger als die Begegnung? Was bedeutet für eine Familie, die weit voneinander lebt Nachrichten zu lesen oder Bilder zu bekommen? Was kann die Information wann bei unserer Familie gefeiert und wann getrauert wird ersetzten? Das sollte uns unser Internetportal schenken. Wir haben uns sehr bemüht um eine solche Plattform zu schaffen und diese steht jetzt bereit um uns zu dienen. Mein Traum ist es, dass eines Tages ein Schlesier der in Masuren seinen Urlaub verbringt auf dem Portal, wie in einem Tagebuch, eine deutsche Vereinsfeier findet und spontan sie besuchen wird so wie man die weite aber wirkliche Verwandtschaft besucht. Wie in einer Familie, einer moderne Familie. Ich lade euch alle ein das Portal mitzugestalten. Das Portal muss leben.

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