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Bernard Gaida

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Ostertraditionen

Es gibt wohl keine Zeit im Jahr, die so erfüllt wäre von Traditionen wie Ostern. Sie tragen in sich religiöse Inhalte, die mit der Auferstehung Jesu und seiner Leiden und der Kreuzigung zuvor verbunden sind - aber auch eine allgemeine Botschaft der Geburt neuen Lebens, verbunden mit dem Frühlingserwachen. Diese Inhalte sind miteinander vermischt, was immer bewiesen hat, dass man Religion nicht auf den Kirchenraum begrenzen und sie als verstecktes, privates Bekenntnis des Menschen betrachten kann.

Es verlangte immer danach, auf die Felder zu gehen, um an Karfreitag mit einem Gebet um Wohlergehen auf den Lippen zu kreuzeln, also Kreuze in die oft noch gefrorene Erde zu stecken oder ein gemeinsames Gehen zu einer Quelle, um an Karsamstag dort das Gesicht zu waschen. An Gründonnerstag verstummen in den Kirchen die Glocken und geben ihre Aufgabe an die Ratscheln ab, um dann mit noch mehr Kraft und „neuem“ Klang am Ostersonntag die Freude der Auferstehung zu verkünden. Die Symbole des Eises, ebenso die des Wassers und des Lichtes ergänzen sich. Die Freude der Glocken, aber auch die der Kinder, die Eier suchen, das freudige Quietschen der Mädchen, wenn sie mit Wasser oder eleganter mit Parfum vom männlichen Teil der Familie und der Nachbarschaft bespritzt werden, sind so anders als die gerade zu Ende gegangene Fastenzeit.

Viele Kirchen bemühen sich, damit das Fest der Auferstehung auch ein Sonntag der Heiligen Taufe ist, als geistliche Geburt zu begehen. Diese Dichotomie des Lebens erlebt man vor allem im Heiligen Land, wo sich am Jordan, der durch die Wüste strömt, Pilger aus aller Welt versammeln, um im Wasser, das gar nicht so kristallklar ist, aber spürbar Leben in die vertrocknete Landschaft bringt, einzutauchen. Dort erlebt man mit einer gewissen Überraschung, dass das Heilige Grab gleichzeitig „der Ort“ der Auferstehung ist, an dem in stundenlangen Schlangen Tausende Menschen warten. Ob sie nun eher das Grab Jesu oder den vom Auferstandenen verlassenen Ort erleben wollen, hängt von jedem einzelnen Pilger ab. Von seinem Glauben an die Worte: „Der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.“

Dabei helfen gute Traditionen, die nicht aus dem tieferen Sinn herausgerissen wurden, die Integrität des Glaubens und des gesellschaftlichen Lebens zu wahren. Sie erfüllen noch mehr den Menschen. Ihre Pflege lehrt, sich zur konkreten Angehörigkeit und Herkunft zu bekennen. Ohne politischen Opportunismus. Wie wichtig diese Fähigkeit ist, erfahren wir u. a. bei der Volkszählung, die danach durch trockene Formeln fragt.

Bernard Gaida

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Volkszählung und Würde

Volkszählung und Würde

In dieser Woche beginnt die Volkszählung 2021/NSP 2021. Wenn Sie bei Facebook diese Seite öffnen, finden Sie Argumente und Menschen aus ganz Polen, die klar für die deutsche Nationalität bei der Volkszählung stehen. Dort ist die Rede von den Ahnen und der Treue zum Erbe, von Zweisprachigkeit und der Rolle der deutschen Kultur, zitiert wird auch Goethe. Heute möchte ich aber den Aspekt der Würde ansprechen.

Der Politologe Francis Fukuyama sagt, dass nicht die Wirtschaft der Antrieb der Zivilisation ist, sondern die Identität. Er sagt: „Identität wächst (…) aus dem Unterschied zwischen dem wahren, inneren ‚Ich‘ des Menschen und der äußeren Welt der Prinzipien und Normen, die in nicht zureichendem Maß den Wert und die Würde dieses ‚Ich‘ anerkennt“. Dies betrifft auch die Volksgruppen. Daher schreibt er weiter, dass eine Volksgruppe zur Wiedererlangung der Würde strebt, wenn „ihre Würde angetastet, herabgesetzt oder in irgendeiner Weise verachtet wird“. Wenn also jemand mit deutscher Herkunft Zweifel hegt, ob er im Volkszählungsformular in der Rubrik Nationalität die Deutsche angeben soll, sollten einige Signale der letzten Tage aus den Strukturen des Staates diese ausräumen.

Denn was, wenn nicht Verachtung einer ganzen Gruppe von Schlesiern deutscher Herkunft, loyaler polnischer Staatsbürger, ist die Entscheidung der Stadträte von Oppeln über die Aufstellung eines Denkmals zu Ehren der schlesischen Aufständischen, wenn dabei gleichzeitig völlig außer Acht gelassen wird, dass vor 100 Jahren Schlesier, die für den Verbleib bei Deutschland gestimmt haben, 60% ausmachten. Und wenn man auslässt, dass die Integrität des eigenen Staates schützenden Menschen, die gegen die Aufständischen kämpften, ebenso ihr Leben verloren haben. Öffentliche Mittel, aus denen das Denkmal entsteht, stammen auch von unseren Steuern, von Nachkommen dieser Beschützer und wir können erwarten, dass sie neutral ausgegeben werden in einer Region, die von der deutschen Minderheit bewohnt wird. Aber uns gegenüber hat die Neutralität auch der Woiwodschaftsmarschall aus Kattowitz gebrochen, als er unter dem Vorwand der Werbung für die Volkszählung gerufen hatte „Zähle dich wie die Aufständischen. Wähle Polen “. Ebenso eine Kampagne aus unseren Mitteln. Und dann die Tatsache, dass im jüngst gewählten Programmbeirat des öffentlich-rechtlichen Radio Opole wieder kein Vertreter der deutschen Minderheit sitzt. In Kattowitz und Allenstein wird es gewiss nicht anders sein.  

Diese drei Fälle aus den letzten Tagen reichen aus, damit jeder von uns sich nach seiner Würde richtend bei der Volkszählung 2021 die deutsche Nationalität und den Gebrauch der deutschen Sprache angibt, um zu zeigen, dass wir die Verachtung unseres eigenen „Ichs“ nicht billigen.

Bernard Gaida

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Ansprache des Vorsitzenden von VdG Bernard Gaida zur Volkszählung 2021

Liebe Landsleute,

liebe Mitglieder der deutschen Gemeinschaft in Polen

und alle, die sich damit identifizieren

Die schon traditionelle Volkszählung, die dieses Jahr alle in Polen lebenden Menschen erfassen wird, fängt gerade an. Sie ist aus dem Grunde wichtig, weil sie den Behörden aller Gebiete bessere Planung der Tätigkeiten ermöglichen wird: sowohl auf lokaler als auch auf staatlicher wie europäischer Ebene. Auch in anderen Ländern Europas wird die Volkszählung durchgeführt.

Für alle Bürger Polens, die eine andere Nationalität als die polnische haben, die eine andere Muttersprache sprechen und eine andere Erinnerungskultur und Geschichte haben, hat die Volkszählung eine sehr wichtige zusätzliche Bedeutung. Alle nationalen und ethnischen Minderheiten erklären öffentlich, was sie von anderen Einwohnern des Landes unterscheidet. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle und sprachliche Vielfalt Polens und  ihren Platz in diesem Land. Daraus ergeben sich unsere konkreten Bedürfnisse in der Kultur- und Bildungspolitik, sowie die Verpflichtungen des Staates seinen Bürgern tatsächliche Gleichheit zu sichern, unabhängig von der nationalen Zugehörigkeit. Polen hat mehrmals versprochen, nicht nur die Erhaltung unseres Erbes zu fördern, sondern auch seine Entwicklung zu unterstützen.

Deswegen ist es so wichtig, dass alle, die sich als Deutsche fühlen, deutsche Wurzeln haben, sich als Teil deutscher Geschichte, Kultur und Tradition betrachten, ihre deutsche Nationalität bei der Volkszählung im Formular angeben. Tut das mutig mit dem Verantwortungsgefühl für die Zukunft von euch und euren Kindern. Am besten wird das durch den europäischen Leitgedanken ausgedrückt:  „Vereint in der Vielfalt“. Unsere öffentliche Erklärung soll eine klare Antwort auf alle Versuche der Rückkehr zu den Nachkriegsjahren sein. In diesen waren wir einer kulturellen und sprachlichen Diskriminierung des Staates ausgesetzt, der sich für national einheitlich hielt. Manche haben Zweifel, ob sie ihre deutsche Nationalität angeben sollen, wenn sie in ihren Familien die deutsche Sprache im Alltag nicht benutzen oder sie gar nicht gut kennen. Umso mehr sollten wir es dann tun. Es ist nämlich die Folge einer für Polen unrühmlichen Zeit der Beschränkung von Verfassungsfreiheiten und zugleich eine Verpflichtung dieses Unrecht für die kommenden Generationen wiedergutzumachen, durch die Bildung in der deutschen Sprache. Um eine Chance zu haben, für dieses Recht und andere zu kämpfen, damit sie in der Praxis verwirklicht werden, müssen wir zeigen, wie zahlreich die deutsche Minderheit ist. 

Genauso wie bei den Volkszählungen in den Jahren 2000 und 2011 bekomme ich zu hören, dass manche von uns immer noch Angst haben, sich zu ihrem Deutschtum zu bekennen. Es ist traurig, dass ein demokratischer Staat nicht im Stande ist, diese Ängste zu beseitigen. Gleichzeitig muss ich betonen, dass ich keine Person kenne, die aufgrund der Angabe der deutschen Nationalität bei den vergangenen Volkszählungen auf irgendeine Art benachteiligt wurde. Wir sollten daran denken, dass alle, die sich zu ihrer Nationalität eindeutig bekennen Respekt wecken. Jeder schätzt Treue gegenüber Wurzeln und Vorfahren. Unsere polnischen Nachbarn zeigen  sich immer öfter fasziniert  von der deutschen Vergangenheit der westlichen und nördlichen Gebiete.  Umso mehr sollten wir, als die Nachfahren dieser Gebiete, die Zeugen ihrer deutschen Vergangenheit sein. 

Vor 30 Jahren wurde der deutsch-polnische "Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit" unterzeichnet, in dem der deutschen Minderheit die Aufgabe übertragen wurde, Brücken zwischen Deutschland und Polen zu bauen. Indem wir uns zur deutschen Gemeinschaft in Polen bekennen, können wir dies mit stolzem Gefühl tun, denn wir erfüllen diese Rolle verantwortungsvoll und effektiv. Wir erfüllten diese Rolle auch damals, als wir hinter dem Eisernen Vorhang die einzigen Vertreter unserer Nation waren. Obwohl wir nicht anerkannt waren, suchten wir einen Geist des christlichen Verständnisses dort, wo immer wir lebten.

Mit Stolz, auch deswegen, weil schon Johann Wolfgang von Goethe sagte, „alles Große und Gescheite existiert nur in der Minorität“, aber auch dank der Erinnerung an den Beitrag Schlesiens, Pommern oder Ostpreußen in die deutsche Kultur und Wissenschaft.

Die Fragen nach der Nationalität und der ethnischen Zugehörigkeit, ergänzt um die Fragen nach der zu Hause benutzten Sprache, sind keine Fragen nach der Staatsbürgerschaft. Es geht um unser Gefühl der Zugehörigkeit und der Verbundenheit zur Kultur und Abstammung. Es geht um die Stimme des Herzens. Da ist es nicht wichtig, ob Du einen deutschen Pass hast, dass die deutsche Sprache in Deinem Haus, wie in den meisten auch, neben einer anderen benutzt wird. In Gesprächen, beim Nachrichtenschauen, beim Musikhören oder wenn man Kindern Märchen vorliest. Vergiss nicht, dass man Dich genau danach fragt. Die deutsche Nationalität und die deutsche Sprache sollten in deinem Formular bei der Volkszählung nicht fehlen.

Im Herzen tragen wir das Erbe unserer Vorfahren. Es ist ein wohl durchdachtes, befestigtes Erbe, dass an die Zukunft, also auch an die Jugendlichen, gerichtet ist. Es bedeutet Versöhnung mit der Welt, die uns umgibt. Das Deutschtum eines jeden von uns ist verwachsen mit Schlesien, Pommern, Ermland, Masuren oder Lodz. Man kann sich einzig zum Deutschtum bekennen. Aber man kann auch seine Zugehörigkeit  zu anderen Gemeinschaften äußern: der kaschubischen, schlesischen, tschechischen oder polnischen. Das Deutschtum sollte  aber nicht vergessen werden!

Beim Ausfüllen des Formulars denk daher daran, Deine Verbundenheit mit der deutschen Nationalität und deutscher Sprache zu bekennen. Denk daran, dass Du darauf ein Recht hast und Deinen Vorfahren gegenüber eine Pflicht. Hilf anderen an der Volkszählung teilzunehmen. Sei achtsam, wenn ein Volkszähler Deine Antworten notiert.

Falls Sie Fragen zur Volkszählung oder zum selbstständigen Ausfüllen des Formulars haben, wenden Sie sich an uns! Alle Informationen finden Sie auf www.vdg.pl.

Ja, wir sind Deutsche! Und wir sind stolz darauf.

Bleibt vorsichtig und gesund!

Feldarbeit

Vor einem Jahr war der 100. Jahrestag der Volksabstimmung in Ostpreußen, am letzten Samstag der in Oberschlesien. Im ersten Fall stimmten über 96% der Bevölkerung für einen Verbleib bei Deutschland, im zweiten waren es fast 60%. Im Kreis Oletzko stimmten von 30.000 Einwohner nur zwei für Polen. Dies war so berührend, dass die Stadt im Jahr 1928 den Namen Treuburg erhalten hat.

Das Ergebnis der Volksabstimmungen zählte aber nur bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Heute ist es für die meisten nur eine historische Tatsache, für uns hat es jedoch auch einen symbolischen Wert. Krieg, Grenzveränderungen, Flucht, Vertreibung, spätere Migrationen rollten wie eine Walze über die einstigen Abstimmungsgebiete. Und doch, als ich mich heute daran erinnert habe, dass wir den 189. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe begehen, nahm ich aus einem Regal das vor Jahren auf einem Flohmarkt in Sensburg gekaufte Flachrelief mit einem Zitat aus dem Faust: „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen”. Ich fühlte eine Gemeinsamkeit.

Das Goethe-Zitat, das zu meinen beliebtesten gehört, wird dabei illustriert durch Feldarbeit. Ein Bild eines Bauern und seiner schweren Arbeit auf dem Feld, der er aber jedes Jahr treu bleibt. Treuburg, Treue zu Traditionen, den Wurzeln, den Ahnen, aber auch eine aktive Treue, denn jedes Jahr bringt sie Früchte aus dieser Feldarbeit. Hinter dem Pflug wird ja gesät.

In verschiedenen oberschlesischen Betrachtungen fühlt man die Trauer, dass damals nur zwei Optionen zur Wahl standen: Deutschland oder Polen. Ohne eine Lösung dazwischen. In zwei Wochen erwartet uns die Volkszählung. Eine andere Art der Volksabstimmung ohne Frage nach der territorialen Zugehörigkeit, aber mit der Frage nach der Treue zum Erbe. Nach der Treue, die Anstrengung verlangt, um das Erbe besitzen zu können. Ein durchdachtes, überzeugtes Erbe, das Früchte für die Zukunft bringt. Ein geeintes Erbe, das auch Kompromisse und andere Lösungen zulässt, die vor 100 Jahren nicht vorgesehen waren.

Das Deutschsein, das in Schlesien, Ermland, Masuren, Lodsch gewachsen ist, erlaubt es uns, bei der Volkszählung 2021 dies als einzige Nationalität zu deklarieren, aber gleichzeitig auch mit einer Verbundenheit zu einer anderen Gemeinschaft: der schlesischen, kaschubischen, tschechischen… Selbst Goethe sagt uns scheinbar, dass bei uns, auf den von unseren Ahnen durchpflügten Feldern, im Zählungsformular der Eintrag „deutsche Nationalität“ nicht fehlen darf!

Bernard Gaida

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