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Die Besten der Besten gekrönt

Am vergangenen Freitag fand im Sitz des VdG in Oppeln Preisverleihungszeremonie statt, bei der an die besten Musiker der Deutschen Minderheit, die den Rekord des Interesses auf unseren Seiten brachen, Statuetten übergeben wurden. Fans einzelner Darsteller schickten in die Endrunde Dutzende, und einige sogar hundert Coupons.

Viele beschwerten sich, dass unsere Zeitung während des Wettbewerbs im Internet fehlte, es hat sich aber gelohnt. Denn so lernten wir die geschätzten, die populärsten und vielleicht sogar die beliebtesten Künstler der deutschen Minderheit kennen, denn auf vielen Coupons wurden oft Herzen gemalt, es gab auch Reime und freundliche Worte wie: "Wir lieben dich", "Immer mit dir", "Du bist der Beste" etc. Schließlich stellte sich in einer breiten Gruppe von Solisten, Duetten, Bands und Orchestern der deutschen Minderheit heraus, dass Karolina Trela unter den Solisten triumphierte, Proskauer Echo sich als Bestes in der Rivalität der Duetten erwies und Heimatklang der absolute Meister unter den Chören waren.

Wettbewerb wie ein Trampolin

Der Triumph einer extrem talentierten, jungen und wie sich auch herausstellte – einer beliebten Solistin Karolina Trela ist nicht überraschend. Ihr Fanklub ist nicht nur sehr zahlreich, sondern auch eingespielt, was die Sängerin aus Annengrund unschlagbar macht, obwohl sie hervorragende Konkurrenz aus den hintersten Weiten Oberschlesiens und sogar aus München in Person eines großen Schlagerstars Toby hatte. In dieser Ausgabe des Wettbewerbs konnte niemand Karolina Trela schlagen, aber wie konnte dies geschehen, wenn alle paar Tage 460 bis sogar 800 Coupons an die Adresse der Redaktion geschickt wurden! "Was passiert ist, ist wunderbar, ich habe davon geträumt! Ich bin stolz, genauso stolz auf mich sind meine Fans, meine Familie, mein Sohn. Vielen Dank! Das ist erstaunlich. Zumal ich mit fantastischen Künstlern im Wettbewerb stand!“, sagte Karolina Trela und fügte hinzu: "Triumph in diesem Wettbewerb ist für mich ein »Sprungbrett«, um wieder erfolgreich zu sein. Dank des Gewinns habe ich die Möglichkeit, mein erstes Album aufzunehmen!"

Die beste Solistin: Karolina Trela

Unvergänglicher Ruhm

In ähnlicher Weise können wir alles zusammenfassen, was um das berühmteste Duo der Künstler der deutschen Minderheit – Proskauer Echo, zusammengestellt von Claudia und Henryk Lakwa – passiert ist. Proskauer Echo gewann definitiv den Wettbewerb um den Titel des besten Duos, was nicht nur die große Popularität dieser Band beweist, sondern auch ihren anhaltenden Ruhm. Es ist auch eine Herausforderung für sie, denn anscheinend kommen immer noch Fans von Künstlern aus Proskau an und warten auf neue Alben, Hits und Musikvideos: "Allen Fans, die so gierig Stimmen an das Proskauer Echo geschickt haben und Hunderte von Coupons geschickt haben, dank denen wir mehr als 45.000 Stimmen gesammelt haben, möchten wir vom ganzen Herzen sagen: Vielen Dank", sagte Henryk Lawa.

Das beste Duo: Proskauer Echo

Der Heimatklang aus Klodnitz belegte den ersten Platz in der Klassifizierung der Chöre, die in ihrer Kategorie alle Illusionen der Konkurrenz beraubten und bewiesen, dass sie nicht nur schön singen, sondern auch wissen, wie sie sich um ihr Image und damit um die Popularität kümmern können. Man kann sagen: Profis in jeder Hinsicht...

Der beste Chor: Heimatklang

Text: Krzysztof Świerc, Wochenblatt.pl
Fotos: Marie Baumgarten

Es beginnt die zweite Edition des Projekts "Deutsch AG"!

Ab dem 1. Februar 2021 fängt die neue Edition des Projekts "Deutsch AG" an. Melden können sich Schulen oder Gemeinde. Voraussetzung: die Anzahl der Gruppe beträgt von 5 bis 15 Schüler und die Schule/ bzw. Gemeinde muss die Schulräumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung stellen. Es können sich auch neue Gruppen anmelden. 

Das Projekt "Deutsch AG" richtet sich an Schüler der 7. und 8. Klasse der Grundschule, die bis zur 6. Klasse Deutsch als Minderheitensprache erlernt haben. Im Rahmen des Projekts werden zwei zusätzliche Unterrichtsstunden wöchentlich angeboten. Diese werden in den schulischen Räumlichkeiten nach Abschluss des regulären Unterrichts organisiert. Dadurch können sich die Kinder sprachlich weiterentwickeln und ihr Wissen über die Landeskunde, Kultur und Geschichte des deutschsprachigen Raums erweitern.

Wir ermutigen Sie dazu, sich an diesem Projekt zu beteiligen! 

Anmeldung der Schule zum Projekt: 

Anmeldung zur Teilnahme am Projekt: 

Kontaktdaten für die Regionalkoordinatoren des Projekts Deutsch AG: 

Download: 

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Pascal und die zweite Welle

In der Philosophie ist die pascalsche Wette bekannt, die besagt, wenn man die Existenz Gottes nicht beweisen kann, ebenso aber auch nicht seine Nichtexistenz, ist es vernünftiger anzunehmen, es gibt ihn. So leben wir gut, um das ewige Leben zu erringen. Und wenn sich herausstellen sollte, es gibt keinen Gott oder kein Leben nach dem Tod, dann haben wir nichts verloren, wenn wir gut gelebt haben. Schlimmer wäre die umgekehrte Annahme, dass Gott nicht da ist, weshalb wir also ohne Gebote leben und am Ende feststellen müssen, dass wir unser ewiges Leben mit ihm im Himmel verloren haben.

Es ist nur meine Zusammenfassung seiner Gedanken, die aber in dieser Zeit wichtig scheinen. Das Internet, private Gespräche, Medien, öffentliche Versammlungen drehen sich nun nicht mehr nur um Politik, sondern auch um die Frage, ob es die Pandemie gibt oder nicht. Eine weitere Gelegenheit zu Teilungen in der Gesellschaft, zu Protesten und Attacken. Auf die Bekanntmachung der Beschränkungen, deren Synonym die Schutzmaske wurde, antworteten einige mit einer gegnerischen Haltung. Manche taten es demonstrativ auch in Form von Straßenprotesten, andere ignorieren leise, aber sichtbar die Vorschriften. Ein unrühmliches Beispiel sind sogar Geistliche, die trotz des Dekrets des Oppelner Bischofs weiterhin die Kommunion ohne Maske austeilen, die die Gläubigen nicht aufteilen in diejenigen, die die Kommunion in den Mund und diejenigen, die sie weitaus hygienischer in die Hand empfangen wollen. Man könnte etliche weitere Beispiele anführen. Proteste gegen die Pandemie gibt es natürlich auch in anderen Ländern, auch in Deutschland, doch sie ändern nichts daran, dass dort die Kommunion nur auf die Hand ausgeteilt wird, dass z.B. in Berliner Kirchen nur jede zweite Bank besetzt sein darf, dass man beim Betreten der Kirche (aber auch eines Restaurants) seine Kontaktdaten hinterlegen muss.

Gestern habe ich mir die Europakarte angeschaut, auf der die Infektionszahlen je 100.000 Einwohnern gezeigt wurden. In fast ganz Deutschland liegt dieser Wert unter 35 und in allen Nachbarländern, Polen eingeschlossen, ist er über 50 und mancherorts sogar über 100. Statt sich also zu streiten, ob es die Pandemie gibt oder nicht, denken wir wie Pascal. Wenn wir nicht einer Meinung sind, nehmen wir zu unserem gemeinsamen Wohl an, dass die Gefahr da ist und dass soziale Distanz sowie das Tragen von Masken uns vor ihr schützt. Wenn es die Pandemie nicht gibt, riskieren wir nichts außer einem längeren Aufenthalt zu Hause, häufigerem Händewaschen und selteneren Familienfeiern. Und wenn es die Pandemie doch gibt, retten wir unser Leben und vielleicht das eines anderen. Außerdem muss dann eine diszipliniertere Gesellschaft nicht alles schließen - und sich selbst in den Häusern einschließen.

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Reine Hände der Geschichte

Ein beliebter Ausdruck, ja sogar eine Binsenweisheit lautet, dass es in der Geschichte keinen Staat gegeben hat, dessen Taten immer gerecht und dessen Hände immer rein gewesen wären. Und doch geben sich die Gesellschaften dieser Illusion hin, vor allem bei Jahrestagen rühmlicher Schlachten. Ganze Völker sind im Stande zu vergessen, dass man alles in den richtigen Proportionen betrachten und Kriege vermeiden sollte.

Schon seit Tagen denke ich über die Bedeutung der Schlacht um Warschau nach, auch das Wunder an der Weichsel genannt, nach, aber auch über die Epoche und die Menschen, die damals lebten. Die Schlacht ist ja ein Element des polnisch-bolschewistischen Krieges, der zwischen 1919 und 1921 dauerte und im März 1921 mit dem Rigaer Frieden beendet wurde. Der Krieg war im Grunde das Ergebnis zweier unterschiedlicher Interessen. Polen versuchte nach der Rückkehr auf die politischen Landkarten in Folge des Ersten Weltkrieges im Osten bis an seine Grenzen aus der Zeit vor den Teilungen zu kommen, die Bolschewisten dagegen wollten so weit wie möglich ihren Einfluss ausdehnen. Die Rote Armee kam bis an Warschau heran, was zu der berühmten Schlacht führte, deren 100. Jahrestag, der auf den Feiertag Mariä Himmelfahrt fällt, gerade begangen wurde.

Wir sehen aber, dass die Kämpfe Polens mit der UdSSR in dieser Zeit für die Litauer gleichbedeutend sind mit der bewaffneten Annexion von Vilnius durch die Polen im Oktober 1920, für die Ukrainer dagegen ist es der Verrat ihrer Interessen durch die Teilung des Landes zwischen Polen und der UdSSR. Für die Schlesier ist es ein Teil des gesamten Konfliktzeitraums in Oberschlesien, der nach heutigem Wissen durch immer neue Publikationen, nicht einmal ein Bruderkrieg der Schlesier gewesen ist, sondern eine vom polnischen Geheimdienst gesteuerte und finanzierte Sabotageaktion auf dem Gebiet der Weimarer Republik. Es ist schwer zu glauben, dass eine Armee, die im Osten gegen den sowjetischen Andrang ankämpfen musste, die ganze Zeit kostspielige und illegale Operationen auf dem Gebiet eines anderen Staates im Westen durchgeführt hat. Nationale und soziale Spannungen wurden ausgenutzt, was eben der Grund für die Kämpfe ist, die man heute den Zweiten Schlesischen Aufstand nennt.   

Genau am 17. August 1920 floss in Kattowitz zunächst das Blut deutscher unbewaffneter Demonstranten, auf die französische Soldaten geschossen haben, was zur Aggression der Menschenmenge und Selbstjustiz gegenüber einem polnischen Aktivisten führte. Das Ganze dann, statt nach dem Ansinnen des Völkerbundes, der die Volksabstimmung vorbereitete, zu mildern, wurde noch verstärkt durch den Aufruf zum Generalstreik. Der Aufruf Korfantys entfachte militärisches Handeln von bereits vorbereiteten Einheiten, was weitere Opfer, Raub, Selbstjustiz und Brandstiftung nach sich zog.

Wenn ich auf diese Ereignisse aus der Perspektive von 100 Jahren danach schaue, weiß ich, dass der erste Satz dieses Textes wahr ist, genauso wie die folgende Aussage, auf die ich im Internet gestoßen bin: „Hört auf Kinder zu lehren, dass Krieg Ruhm und Heldentum bedeuten. Lehrt sie, dass wahrer Ruhm bedeutet, Krieg zu verhindern und Helden die Menschen sind, die dies erreichen“.    

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Tante Lilo

Der Tod kommt nie zur richtigen Zeit. Ich habe Tante Lilo kennengelernt als Einwohnerin von Karl-Marx-Stadt. Die waschechte Sächsin war Ehefrau des ältesten Bruders meiner Mutter, Georg.  Sie konnten sich begegnen, nur weil der Krieg gewesen war.

Der kleine Georg im kleinen Dorf bei Guttentag war von Geburt an fast blind.  Als er 6 Jahre alt war, kam er in der Dorfschule. Je höher die Klasse, desto schwieriger war der Unterricht, weshalb der Lehrer für ihn in Breslau eine Bildungsanstalt gefunden hat. Georg startete also seine Ausbildung in der Provinzhauptstadt. Die Trennung vom Dorf, der Familie und Geschwistern war für alle sehr schwierig. Dann kam der grausame Krieg, der Vater musste zur Front, die Mutter blieb mit den Kinder allein. Es gab immer weniger Besuche.

Als im Januar 1945 plötzlich die Flucht angeordnet wurde, musste die Familie aus Guttentag in Trecks in Richtung Tschechien flüchten. Die Schule in Breslau wurde Richtung Sachsen evakuiert.  Kein Kontakt mehr, keine Briefe.  Besonders schmerzhaft war das für die Mutter. Als nach dem Krieg die Familie zurück nach Schlesien, unter polnische Verwaltung kam, fehlte der Georg.  Nach der Rückkehr mussten sie sich das schon besetzte Haus wieder erkämpfen. Dank des Suchdienstes des Roten Kreuzes wurde Georg in Chemnitz gefunden.

Trotz Bitten der Mutter wollte er nicht nach Schlesien zurück. Er war blind, sprach kein Polnisch und in Chemnitz hatte er die Bekannten und Freunde aus der Schule. Er blieb. Dort hat er die körperlich behinderte Liselotte getroffen. Sie haben sich gegenseitig das ganze Leben unterstützt und eine musterhafte Familie aufgebaut. Tante Lilo mit ihrem sächsischen Dialekt war schwierig zu verstehen, aber das offene Herz hat alles ausgeglichen.  Die Sommerferien in Karl-Marx-Stadt sind traumhaft gewesen und die Tante war wie eine Ersatzmutter. Genauso, als sie Schlesien besucht haben. Am Abend spielte Onkel Georg Akkordeon und die Tante Mundharmonika. Gesang und Lachen sind mir in Erinnerung geblieben. Beide behindert, aber immer lustig und nett.

Von klein auf habe ich die beiden, damals aus der DDR, als ein Zeichen des Deutschtums unserer Familie gesehen. Der Onkel hat zwar auch Witze von Antek und Frantzek erzählt, aber nur auf Deutsch, weil sogar „wasserpolnisch“ konnte er nicht.  Auch als der schlesische Onkel gestorben ist, war die Tante ein Bindeglied zwischen uns in Schlesien und der sächsischen Familie.  An jedem Geburtstag  habe ich einen Anruf bekommen, wo die Mundharmonika zuerst „Zum Geburtstag viel Glück“ spielte. Von der Liebe der Kinder und Enkel umgeben, hat sie die letzten Jahre in einem Chemnitzer Pflegeheim verbracht. Vor zwei Jahren konnte ich mit ihr noch ihren 90. Geburtstag feiern, später noch einige Male besuchen und immer mit neuen gestrickten Socken nach Hause fahren.  Die warme Socken werden mich immer an die herzenswarme Tante Lilo erinnern.

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Probleme mit Toleranz

Wenn jemand meinte, die Pandemie könnte den Raum für Toleranz erweitern, dann hat er sich geirrt. Rassistische Unruhen in den USA, das Stürzen von Denkmälern in Großbritannien und letztens auch in Deutschland, weltanschauliche Konflikte in Sachen LGBT in Polen. Man könnte noch vieles mehr aufzählen.

In all den Konflikten sieht man, dass der Dialog durch ein Diktat ersetzt wird, und zwar eines von beiden Seiten. Dabei sollte doch Dialog bedeuten, dass beide Seiten letztendlich versuchen, sich zu verständigen. Die Atmosphäre des Diktats beider Seiten des Streits wird auf die Straßen verlegt - und das nicht nur in Form von Unruhen und Plünderungen von Geschäften in den USA, sondern auch als allgemeine Stimmungslage auf den Straßen europäischer Städte. In Polen wird das noch untermalt durch die Wahlfolklore. Ich nenne es Folklore vor allem deshalb, denn bei weltanschaulichen Streitigkeiten berufen sich alle auf Emotionen und nicht inhaltliche Argumente.

Paradoxerweise ist es gut, dass der Kampf gegen die Pandemie dazu zwingt, sich mit konkreten Lösungen und ihren Konsequenzen auseinanderzusetzen. Es hilft nicht, sie auf emotionale Weise zu zerreden, denn wir sprechen hier von Zahlen. Vielleicht sind sie nicht ganz exakt, denn es werden hierzulande immer noch zu wenige Tests durchgeführt, aber sie ermöglichen einen Vergleich. Und bewusste Wahlen verlangen von Wählern eben einen Vergleich, der der Gesellschaft, die so politisiert, gleichzeitig aber politisch so ungebildet ist, Schwierigkeiten bereitet.

Alle diskutieren leidenschaftlich über Politik, aber doch nur wenige engagieren sich ernsthaft in ihr, sodass sowohl die Wahrnehmung der Parteiprogramme als auch deren Evaluierung nur scheinbar geschieht. Um diesen Prozess zu erleichtern, haben wir bereits zu Beginn des Wahlkampfes einen Fragenkatalog an die Kandidaten zum Thema Minderheitenpolitik erstellt. Ich wäre glücklich, wenn ich schreiben könnte, dass zumindest die Mehrheit der Kandidaten dazu Stellung bezogen hat. Leider kann ich das nicht. Nicht ganze zwei Wochen vor der Wahl bleibt Szymon Hołownia der einzige, der auf unsere Fragen geantwortet hat. Dabei könnte man denken, dass die im Titel genannte Toleranz nirgendwo leichter erfahrbar wäre als im Bezug auf die Minderheiten. Es ist nur für diejenigen nicht leicht, für die die Toleranz ein schöner Wahlslogan ist, jedoch Probleme bereitet, wenn Fragen nach Schulen mit Deutsch als Unterrichtssprache, nach zweisprachigen Schildern oder der Unterstützung für die deutsche Kultur und deren kulturellem Erbe auftauchen. Wir warten weiterhin.

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Kreieren einer Realität?

Vor mir liegt der Bericht der Obersten Kontrollkammer Polens (NIK) über den Schutz des materiellen Erbes der nationalen Minderheiten. Ich gebe zu, dass ich ihn noch nicht gründlich studiert habe. Aber ich wurde vor allem auf einen Satz in der Zusammenfassung aufmerksam, dass die Kammer beurteilt, entsprechende Behörden „haben effektiv gehandelt und zum Schutz des kulturellen Erbes der nationalen Minderheiten beigetragen“. Als Entschuldigung kann ich sagen, dass die NIK die Jahre 2016-2019 kontrolliert hat.

Wenn man aber diesen Satz als Beschreibung der Realität nimmt, trägt er Züge des Kreierens einer Parallelwelt. Denn gleichzeitig liegt auf meinem Schreibtisch ein sorgfältig herausgegebenes Werk Hannibal Smokes „Das unsichtbare Niederschlesien. Paläste, die Du nicht mehr sehen kannst“ („Niewidzialny Dolny Śląsk. Pałace, których już nie zobaczysz”). Es ist eigentlich ein Epitaph für 447 Paläste, die zum deutschen Kulturerbe in Schlesien gehören. Die letzten Sätze des Buches lauten: „Man kann schlecht vor der Feststellung flüchten, dass nicht der Krieg und nicht die Rote Armee so verheerend für die niederschlesischen Residenzen gewesen sind, wie unsere Nachkriegsrealität. (…) Die überwältigende Mehrheit von ihnen haben wir dem Erdboden gleich gemacht. Man muss natürlich daran denken, dass nicht wir den größten Krieg begonnen haben (…). Dies ist aber eine unzureichende Erklärung und im 21. Jahrhundert keineswegs ein mildernder Umstand. Vor allem, weil man einen radikalen Wandel nicht sieht. Das wunderbare materielle Erbe Niederschlesiens verschwindet zusehends.“

Mein ganzes Leben lang konnte ich den polnischen Umgang mit Denkmälern in Schlesien, Pommern und Ostpreußen nicht verstehen. Bis 1989 konnte man dafür noch die Politik des totalitären Staates verantwortlich machen, doch wir wissen, dass wohl mehr Baudenkmäler nach diesem Jahr verfallen sind aufgrund von Misswirtschaft, irrationellen Ausverkaufs und  räuberischer Politik der neureichen Eigentümer. Fehlende Regulierungen in Bezug auf das Erbe in deutsch-polnischen bilateralen Verhältnissen führten zum „Todesurteil“ für die meisten von ihnen. Der Bericht der NIK versichert, dass nach dem polnischen Gesetz die Baudenkmäler „geschützt werden, unabhängig von ihrer historischen Herkunft“. Jedoch wird hinzugefügt, dass über ihren Schutz „vor allem der künstlerische, historische und wissenschaftliche Wert“ entscheidet sowie „ihre Bedeutung für die lokalen Gemeinschaften“. Wie eine Entschuldigung klingt dabei die Feststellung im Bericht, dass nach 1945 ein „Nationalitätswechsel“ der Baudenkmäler in Nord- und Westpolen stattgefunden hat. Vielleicht besiegelte ihr Schicksal aber, dass die Baudenkmäler ihre Nationalität nicht gewechselt haben und ihr Deutschtum deutlich hervortrat. Die Schäden, die aufgrund der Entscheidung zum fast gesamten Bevölkerungsaustausch in den Gebieten entstanden sind, hatten auch Einfluss auf das Schicksal der Baudenkmäler.

Doch die Verantwortung für sie kann man im heutigen Polen nicht mit den Worten des Berichtes abtun, dass das Problem des Denkmalschutzes, das nicht mit der Geschichte der lokalen Gemeinschaft verbunden ist, aktuell nicht nur in Polen existiere, sondern in allen Ländern, die von territorialen sowie Bevölkerungsänderungen nach dem Jalta-Abkommen betroffen sind. Deshalb kann es noch lange kein Einverständnis  für eine positive Bewertung der Maßnahmen der Regierung und der Kommunen im Bezug auf den Denkmalschutz in den ehemaligen deutschen Gebieten geben.

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Mögen viele dabei sein

Es ist der zweite Pfingstfeiertag, seit gestern sind die Kirchen wieder ganz offen, auch wenn man dort Masken tragen und die soziale Distanz wahren muss. In der letzten Woche habe ich gehört, dass das vor kurzem sehr bekannt gewordene Robert Koch-Institut prognostiziert, wir könnten die Corona-Pandemie frühestens im Jahr 2023 vergessen. Aber schon am kommenden Sonntag wird man ausnahmsweise in der Oppelner Kathedrale persönlich oder über den Livestream im Internet und den Fernsehsender TVP Opole an der Heiligen Messe für nationale und ethnische Minderheiten teilnehmen können.

Wir haben uns daran gewöhnt, diese Begegnung im Juni als Wallfahrt der Minderheiten zu bezeichnen und wir verbinden sie immer mit dem St. Annaberg. Denn in der dortigen Lourdes-Grotte kommen wir seit Jahren zu Tausenden aus ganz Oberschlesien zusammen. Jedoch nicht seit immer. Dank einiger Gespräche erinnerte ich mich an meine Teilnahme an der ersten Wallfahrt, die in einem anderen Sanktuarium der Hl. Anna, nämlich in Rosenberg, stattgefunden hat. Damals, im Jahr 1995, bei schlechtem Wetter, haben wir als junge Gemeinschaft in einem Zelt für eine Zukunft gebetet, die wir seinerzeit enthusiastisch bewerteten, wenn auch mit ein wenig Unsicherheit. Ich kann mich an den Inhalt der Fürbitten und der Predigt, die gewiss Pfr. Wolfgang Globisch, der Hauptzelebrant, gehalten hat, nicht mehr erinnern. Ich bin aber überzeugt, dass wir viele der Gebete von damals am kommenden Sonntag wiederholen können. Denn trotz vieler Veränderungen im Land und außerhalb, trotz der deutschen Ortsnamen auf vielen Schildern in Schlesien, der Denkmäler für deutsche Gefallene, die wieder im öffentlichen Raum sichtbar sind, des Gedenkens an die Opfer des sowjetischen und polnischen Nachkriegsterrors, wird keine der Veränderungen bis heute voll und ganz akzeptiert.

Bis heute wurde kein deutschsprachiges Schulsystem aufgebaut und der besser oder schlechter laufende Deutschunterricht in Form von einigen Stunden wöchentlich wurde in der letzten Zeit vom Bildungsministerium noch minimiert. Immer noch gibt es neben Pfarrgemeinden, in denen Priester deutschsprachige Gottesdienste feiern, auch solche, wo trotz des Bedürfnisses der Gläubigen dieses nicht erhört wird. Bis heute wurde also der Ballast der kulturellen Diskriminierung der Deutschen in Schlesien, die resigniert oft in den engen Regionalismus flüchten, nicht überwunden. Je mehr die Schlesier mit dem Deutschtum in Verbindung gebracht werden, desto öfter werden sie Objekt des Hasses, der ihnen Jahrzehnte nach der Vertreibung wieder das Recht auf Heimat nehmen will. Siehe den Fall Himmelwitz.

Nach 25 Jahren gibt es vieles, wofür man danken muss, aber es gibt auch gute Gründe, um weiterhin für die Anerkennung und Wertschätzung für sich selbst und die eigene Kultur zu beten. Um die Kraft der Kultur für sich selbst, um eine zuvorkommende Minderheitenpolitik des Staates und die Bekehrung der Hassenden. Seien wir am Sonntag um 9 Uhr zusammen und mögen viele von uns dabei sein.

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