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Völkerverständigung mit Richard Henkes

Seit Jahren ist schon bekannt, dass der VdG Pilgerreisen zu den schlesischen Wallfahrtsorten organisiert, bei denen jahrhundertelang die Schlesier gemeinschaftlich gebetet haben. Damit stärken wir zwei wichtige Seiten der schlesischen Identität: den Glauben und die Bindung an die deutsche Sprache, Geschichte und Kultur. Bei der Wallfahrt nach Zuckmantel spielt die Völkerverständigung eine sehr wichtige Rolle. Schließlich ist das die Wallfahrt der Nationen zu Maria Hilf, wo alle drei benachbarten Sprachen wichtig sind.

Vor kurzem wurde mir gesagt, dass die diesjährige Wallfahrt besonders mit der Seligsprechung von Pater Richard Henkes am 15.09. in Limburg verbunden ist. Wieso? Vor zwei Wochen habe ich auf der Rückreise aus Königswinter von der A3 das prachtvolle Schloss in Montabaur gesehen. Nicht weit von dort ist Henkes geboren und ebenso unweit in Limburg wurde er 1925 zum Priester geweiht. Kurz danach kam er 1931 als Pallottiner nach Oberschlesien und wirkte hier fast bis zum Ende seines Lebens. Hier musste er sich als Priester mit hohen Idealen mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. In Katscher wurde er Schullehrer, aber er predigte in vielen Kirchen Schlesiens, vom Hultschiner Ländchen bis nach Frankenstein und den St. Annaberg.

Bekannt als konsequenter Kritiker der Nazi-Politik stand er schon vor dem Krieg vor dem Sondergericht in Breslau, aber erst im April 1943 wurde er von der Ratiborer Gestapo verhaftet und in das KZ nach Dachau gebracht. Dort hatte sich Henkes als Freiwilliger im Wissen um die eigene tödliche Bedrohung bei den Typhuskranken von Block 17 einschließen lassen, um sich um diese zu kümmern. Nach rund zwei Monaten im Dienst der Nächstenliebe infizierte er sich und innerhalb von fünf Tagen raffte ihn der Tod dahin. Er lebte ein Leben, in welchem das Bekenntnis des Glaubens und der Werte, die aus dem Evangelium ausstrahlen, wichtiger waren als lebensbedrohende Konsequenzen.

Henkes war kein geborener Schlesier, aber sein Leben mit unserer Heimat war so tief verbunden, dass wir ihn bestimmt als schlesischen Heiligen betrachten dürfen. Er steht in einer Reihe mit Gerhard Hischfelder aus Glatz, Maria Merkert aus Neisse und vielen anderen deutschen Seligen und Heiligen Schlesiens, die von der Katholischen Kirche in den heute polnischen Diözesen Schlesiens nicht vergessen werden dürfen und verehrt sein sollen. Das dürfen wir verlangen. Im Dienst des Glaubens und der Völkerverständigung.

Bernard Gaida

  • Publiziert in Blogs
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