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Sprache als Bastion der Identität

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der sich vieles um Planungen dreht. Sowohl, wenn es um die deutsche Gemeinschaft in Polen geht, die vom VdG vertreten wird, als auch bei der internationalen Zusammenarbeit der deutschen Minderheiten, die im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten realisiert wird. Da ich an der Spitze beider Organisationen stehe, nehme ich an diesen Planungen teil. Unsere Möglichkeiten basieren dabei vor allem auf Zuwendungen des polnischen und deutschen Staates. Sie sind auch an den Zielen orientiert, die sich die Deutschen in Polen und anderen Ländern in ihren Satzungen, Strategien und Plänen vorgenommen haben.

Zumeist sind wir gut organisiert, sodass wir auch gut planen können. Wenn wir jedoch die Initiativen für das kommende Jahr planen, denken wir auch an strategische Ziele? Aus der Analyse der Vorhaben in Polen und anderen Ländern tritt die Arbeit mit jungen Menschen sowie die Tatsache, dass bei immer weniger Mitgliedern, die vor 1945 geboren wurden, die Förderung der deutschen Sprache an Bedeutung gewinnt, immer deutlicher in den Vordergrund. Es scheint, als sollte die Sprachförderung in Europa, wo man die kulturelle und sprachliche Vielfalt als Bindemittel der Gemeinschaft und die Minderheitenrechte als Bestandteil der Menschenrechte ansieht, Aufgabe der Schulen sein. Am 30. Jahrestag der Versöhnungsmesse in Kreisau jedoch erinnerte ich mich daran, dass damals auf einem der Transparente über unseren Köpfen geschrieben stand "Wir fordern deutsche Schulen". Traurig war die Reflexion, dass wir nach 30 Jahren diese Forderung immer noch unterzeichnen könnten.

Dabei wissen wir aus Rumänien oder aus der Erfahrung der polnischen Schulen in Litauen, dass dies möglich und unabhängig vom materiellen Status des Landes ist, sondern vielmehr auch vom politischen Willen abhängt - von Politikern, die in der letzten Zeit konsequent die Anzahl der Deutschstunden in polnischen Grundschulen reduzieren. Deshalb wird nichts die Anstrengungen unserer Organisationen und der Familien selbst ersetzen. Sowie die Hilfe aus Deutschland, das glücklicherweise nach der letzten Sitzung des Deutsch-Polnischen Runden Tisches und dem Rückzug der polnischen Regierung von gegebenen Versprechen in Sachen Bildung sich entschlossen hat, diese Anstrengungen zu unterstützen. Wenn nämlich der Schule nicht erlaubt wird, entsprechend der Bedürfnisse gegen den weiteren Verfall der Muttersprache bei Kindern aus schlesischen, masurischen oder ermländischen Familien anzugehen, muss dies in einem enormen Kraftakt außerschulisch geschehen.

Und wir werden dies tun. Das bedarf aber nicht nur eines realen Angebots, sondern auch des Bewusstseins und des Willens, aus der deutschen Sprache die Bastion der eigenen, familiären oder regionalen Identität bei Tausenden von uns zu machen. Es bedarf des Willens, jede Möglichkeit auf dem Weg zum Erlernen der Sprache und zum Kennenlernen der deutschen Kultur zu nutzen.

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