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Volkszählung 2021 (7)

Ansprache des Vorsitzenden von VdG Bernard Gaida zur Volkszählung 2021

Liebe Landsleute,

liebe Mitglieder der deutschen Gemeinschaft in Polen

und alle, die sich damit identifizieren

Die schon traditionelle Volkszählung, die dieses Jahr alle in Polen lebenden Menschen erfassen wird, fängt gerade an. Sie ist aus dem Grunde wichtig, weil sie den Behörden aller Gebiete bessere Planung der Tätigkeiten ermöglichen wird: sowohl auf lokaler als auch auf staatlicher wie europäischer Ebene. Auch in anderen Ländern Europas wird die Volkszählung durchgeführt.

Für alle Bürger Polens, die eine andere Nationalität als die polnische haben, die eine andere Muttersprache sprechen und eine andere Erinnerungskultur und Geschichte haben, hat die Volkszählung eine sehr wichtige zusätzliche Bedeutung. Alle nationalen und ethnischen Minderheiten erklären öffentlich, was sie von anderen Einwohnern des Landes unterscheidet. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle und sprachliche Vielfalt Polens und  ihren Platz in diesem Land. Daraus ergeben sich unsere konkreten Bedürfnisse in der Kultur- und Bildungspolitik, sowie die Verpflichtungen des Staates seinen Bürgern tatsächliche Gleichheit zu sichern, unabhängig von der nationalen Zugehörigkeit. Polen hat mehrmals versprochen, nicht nur die Erhaltung unseres Erbes zu fördern, sondern auch seine Entwicklung zu unterstützen.

Deswegen ist es so wichtig, dass alle, die sich als Deutsche fühlen, deutsche Wurzeln haben, sich als Teil deutscher Geschichte, Kultur und Tradition betrachten, ihre deutsche Nationalität bei der Volkszählung im Formular angeben. Tut das mutig mit dem Verantwortungsgefühl für die Zukunft von euch und euren Kindern. Am besten wird das durch den europäischen Leitgedanken ausgedrückt:  „Vereint in der Vielfalt“. Unsere öffentliche Erklärung soll eine klare Antwort auf alle Versuche der Rückkehr zu den Nachkriegsjahren sein. In diesen waren wir einer kulturellen und sprachlichen Diskriminierung des Staates ausgesetzt, der sich für national einheitlich hielt. Manche haben Zweifel, ob sie ihre deutsche Nationalität angeben sollen, wenn sie in ihren Familien die deutsche Sprache im Alltag nicht benutzen oder sie gar nicht gut kennen. Umso mehr sollten wir es dann tun. Es ist nämlich die Folge einer für Polen unrühmlichen Zeit der Beschränkung von Verfassungsfreiheiten und zugleich eine Verpflichtung dieses Unrecht für die kommenden Generationen wiedergutzumachen, durch die Bildung in der deutschen Sprache. Um eine Chance zu haben, für dieses Recht und andere zu kämpfen, damit sie in der Praxis verwirklicht werden, müssen wir zeigen, wie zahlreich die deutsche Minderheit ist. 

Genauso wie bei den Volkszählungen in den Jahren 2000 und 2011 bekomme ich zu hören, dass manche von uns immer noch Angst haben, sich zu ihrem Deutschtum zu bekennen. Es ist traurig, dass ein demokratischer Staat nicht im Stande ist, diese Ängste zu beseitigen. Gleichzeitig muss ich betonen, dass ich keine Person kenne, die aufgrund der Angabe der deutschen Nationalität bei den vergangenen Volkszählungen auf irgendeine Art benachteiligt wurde. Wir sollten daran denken, dass alle, die sich zu ihrer Nationalität eindeutig bekennen Respekt wecken. Jeder schätzt Treue gegenüber Wurzeln und Vorfahren. Unsere polnischen Nachbarn zeigen  sich immer öfter fasziniert  von der deutschen Vergangenheit der westlichen und nördlichen Gebiete.  Umso mehr sollten wir, als die Nachfahren dieser Gebiete, die Zeugen ihrer deutschen Vergangenheit sein. 

Vor 30 Jahren wurde der deutsch-polnische "Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit" unterzeichnet, in dem der deutschen Minderheit die Aufgabe übertragen wurde, Brücken zwischen Deutschland und Polen zu bauen. Indem wir uns zur deutschen Gemeinschaft in Polen bekennen, können wir dies mit stolzem Gefühl tun, denn wir erfüllen diese Rolle verantwortungsvoll und effektiv. Wir erfüllten diese Rolle auch damals, als wir hinter dem Eisernen Vorhang die einzigen Vertreter unserer Nation waren. Obwohl wir nicht anerkannt waren, suchten wir einen Geist des christlichen Verständnisses dort, wo immer wir lebten.

Mit Stolz, auch deswegen, weil schon Johann Wolfgang von Goethe sagte, „alles Große und Gescheite existiert nur in der Minorität“, aber auch dank der Erinnerung an den Beitrag Schlesiens, Pommern oder Ostpreußen in die deutsche Kultur und Wissenschaft.

Die Fragen nach der Nationalität und der ethnischen Zugehörigkeit, ergänzt um die Fragen nach der zu Hause benutzten Sprache, sind keine Fragen nach der Staatsbürgerschaft. Es geht um unser Gefühl der Zugehörigkeit und der Verbundenheit zur Kultur und Abstammung. Es geht um die Stimme des Herzens. Da ist es nicht wichtig, ob Du einen deutschen Pass hast, dass die deutsche Sprache in Deinem Haus, wie in den meisten auch, neben einer anderen benutzt wird. In Gesprächen, beim Nachrichtenschauen, beim Musikhören oder wenn man Kindern Märchen vorliest. Vergiss nicht, dass man Dich genau danach fragt. Die deutsche Nationalität und die deutsche Sprache sollten in deinem Formular bei der Volkszählung nicht fehlen.

Im Herzen tragen wir das Erbe unserer Vorfahren. Es ist ein wohl durchdachtes, befestigtes Erbe, dass an die Zukunft, also auch an die Jugendlichen, gerichtet ist. Es bedeutet Versöhnung mit der Welt, die uns umgibt. Das Deutschtum eines jeden von uns ist verwachsen mit Schlesien, Pommern, Ermland, Masuren oder Lodz. Man kann sich einzig zum Deutschtum bekennen. Aber man kann auch seine Zugehörigkeit  zu anderen Gemeinschaften äußern: der kaschubischen, schlesischen, tschechischen oder polnischen. Das Deutschtum sollte  aber nicht vergessen werden!

Beim Ausfüllen des Formulars denk daher daran, Deine Verbundenheit mit der deutschen Nationalität und deutscher Sprache zu bekennen. Denk daran, dass Du darauf ein Recht hast und Deinen Vorfahren gegenüber eine Pflicht. Hilf anderen an der Volkszählung teilzunehmen. Sei achtsam, wenn ein Volkszähler Deine Antworten notiert.

Falls Sie Fragen zur Volkszählung oder zum selbstständigen Ausfüllen des Formulars haben, wenden Sie sich an uns! Alle Informationen finden Sie auf www.vdg.pl.

Ja, wir sind Deutsche! Und wir sind stolz darauf.

Bleibt vorsichtig und gesund!

„In Vielfalt geeint“ - Volkszählung 2021 beginnt in Kürze

„In Vielfalt geeint“ – das Motto der Europäischen Union bringt zum Ausdruck, dass die Europäer der vielen verschiedenen Kulturen, Traditionen und Sprachen den gesamten Kontinent bereichern. Im Jahr der Volkszählung, die nicht nur in Polen stattfindet, haben diese Worte besondere Bedeutung.

"Mitglied einer nationalen Minderheit ist bei der Volkszählung gezwungen, sich Gedanken zu machen: »Wer bin ich?« Die Volkszählung ist für mich eine Sache, die Persönlichkeit eines Menschen betrifft." Sagt Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG, in einem Gespräch für Radio Mittendrin [vollständige Sendung hier]. Diese Erklärung fällt manchen schwer, denn sie fürchten sich immer noch davor, die Zugehörigkeit zu einer Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft zu äußern.

Aus diesem Grunde haben wir eine Aktion gestartet, bei der Mitglieder der deutschen Minderheit ihre Verbundenheit mit der Deutschen Kultur und Sprache äußern: Rechtsanwalt, Sängerin, stellvertretender Bürgermeister. Aus Posen, aus Kosel, aus Warschau. Jung und Alt. Wie auch aus verschiedenen Kreisen sie sind, verbindet sie ihre Identität. Und die werden sie auch bei der Volkszählung angeben. So verschieden, sprechen sie doch mit einer Stimme: Du zählst!

"Ich bin und ich bleibe eine Deutsche. Deutschsein ist für mich Identität". Rosemarie Kerner, Aktivistin der deutschen Minderheit:

"Ich würde es mir nie nehmen. Denn es ist etwas, was ich haben kann und die anderen es nicht haben". Karolina Trela, Deutschlehrerin und Sängerin:

"Die Kenntnis darüber, wer ich bin, haben mir meine Eltern und Großeltern übergeben. Ich weiß auch, dass ich Gleichzeitig Deutscher und Schlesier bin," Mattheus Czellnik, Sekretär des DFK in Guttentag, Vorsitzender der Jugendgruppe Jugend Aktiv in der Gemeinde Guttentag und Lektor in der Pfarrei Maria Magdalena in Guttentag:

"Jeder, der sein Leben verantwortungsvoll und klug gestaltet, muss sich früher oder später diese Frage stellen, die seine Identität, Herkunft oder familiäre Wurzeln betrifft." Tomasz Kruppa, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Rudnik:

"Die Volkszählung 2021 ist für uns alle ein sehr wichtiges Ereignis. Haben wir keine Angst das zu äußern, was uns am Herzen liegt". Oskar Zgonina, Vorsitzender des Bundes der Jugend der deutschen Minderheit (BJDM):

Schritt für Schritt veröffentlichen wir weitere Filme. Schauen Ais diese auf der Facebook-Seite Volkszählung 2021 / NSP 2021 an!

Diese Information ist für Sie!

Fühlen Sie sich mit Geschichte, Traditionen, Kultur, Sprache und ihren Regionalgeschichte verbunden?

Ta ulotka jest dla ciebie!

Seit dem 1. April findet in ganz Polen die Volkszählung statt. Die Teilnahme an der Volkszählung ist in diesem Jahr obligatorisch.

Die Ergebnisse der Volkszählung haben einen erheblichen Einfluss auf das Leben der deutschen Minderheit in Polen:

  • Auf das Recht, Deutsch als Minderheitensprache (Muttersprache) in Bildungseinrichtungen zu lernen;
  • Auf die Zuschüsse beider Regierungen zum Zweck der Erhaltung und Entwicklung der deutschen Sprache und des deutschen Kulturerbes – insbesondere im Nord- und Westpolen;
  • Auf die Möglichkeit, Deutsch in den Regionen, wo die deutsche Minderheit wohnt, zweisprachige Ortsbezeichnungen und Deutsch in Verwaltungsbehörden zu verwenden;
  • Auf die Unterstützung der deutschen Gesellschaften im Kultur- und Bildungsbereich.

Wir sind Deutsche!

Von Ihrer Stimme hängt also sehr ab!

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Volkszählung setzt die polnische Regierung nicht nur die Bestimmungen des "Gesetzes über nationale und ethnische Minderheiten und über die Regionalsprache" um, sondern auch die polnische Verfassung, die "Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" und das "Übereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten".

Die für die deutsche Minderheit wichtigsten Fragen, die bei der Volkszählung gestellt werden, sind die Nationalität, die Zugehörigkeit zu einer anderen Nation oder ethnischen Gemeinschaft und die Sprache, die zu Hause verwendet wird:

Najważniejsze pytania spisowe

Bitte beachten Sie, dass sich die ersten beiden Fragen auf die nationale und ethnische Zugehörigkeit beziehen, die ausschließlich Ihre Erklärung ist, die auf einem subjektiven Gefühl basiert und Ihre emotionale, kulturelle und ursprungsbasierte Beziehung zu einer bestimmten Nation und/oder ethnischen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt.

Die Selbstaufzählung online ist obligatorisch!

Personen, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, ihrer Gesundheit oder ihrer Behinderung nicht an der Volkszählung teilnehmen können werden direkt oder telefonisch von Aufzählern unterstützt. Informationen dazu erhalten Sie in Ihrer Gemeinde. Sie erhalten auch Hilfe von der Organisation der Deutschen Minderheit, die Nahe Ihrem Wohnort ist oder direkt beim VdG.

Laden Sie die Flugblätter mit den wichtigsten Informationen zur Volkszählung herunter:


Zu Ihrer Verfügung gibt es auch Poster:



Bitte weiterteilen!

Wir empfehlen unsere Medien, mit deren Hilfe wir Informationen zur Volkszählung publizieren: 
unsere Internetseite (Reiter: Volkszählung 2021)
unser Facebook-Funpage
Volkszählung 2021 / NSP 2021 - eine der Volkszählung gewidmete Facebook-Seite 
sowie unser Wochenblatt.pl

#Duzählst - Wie ist deine Geschichte?

Im Jahr, wenn die Volkszählung durchgeführt wird, hat Verband deutscher Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Polen eine Kampagne gestartet, die die Mitglieder der deutschen Minderheit und den Personen, die einen Bezug zur deutschen Kultur und Identität haben, dazu ermuntern sollte, sich zur deutschen Herkunft und Sprache zu bekennen. Die Kampagne ist an diejenigen gerichtet, die Schwierigkeiten oder Hemmungen damit haben, sich zur deutschen Nationalität zu bekennen.

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Somit haben wir auf einer speziell dazu erstellten Facebook-Seite Volkszählung 2021 / NSP 2021 nicht nur allgemeine Informationen zur Volkszählung gestellt, sondern auch Kurzfilme mit Aussagen von verschiedenen Personen uas dem Kreise der deutschen Minderheit. Die ersten Kurzfilme sind schon erschienen. 

Piotr Kowalski, Rechtsberater aus Posen, gibt zu: "Meine Großmutter war Deutsche (...) Deutschsein war bei uns zu Hause immer anwesend; ich fühle mich als Deutscher":

"Ich als Geistlicher will auch alles für alle sein, aber mich von meinen Wurzeln nicht abschneiden, deswegen werde ich bei der Volkszählung Deutsch als Nationalität angeben" sagt Diakon Marek Dziony, Leiter der Joseph-von-Eichendorff-Bibliothek in Oppeln:

Lesen Sie auch Ausschnitte aus dem Interview mit Piotr Kowalski, der für Wochenblatt.pl (Nr. 7/2021) auf ein Paar Fragen geantwortet hat:

Und mit einer recht einfachen Frage zu beginnen: Bitte erzählen Sie uns ein wenig über sich selbst.

Ich bin in der Lausitz geboren und komme sozusagen aus einer gemischten Familie. Die Eltern meiner Mutter kommen aus dem Osten und väterlicherseits bin ich deutscher Abstammung. Meine Großmutter wurde in Deutschland geboren und kam nach Großpolen, wo sie bis 1945 lebte. Dann lernte sie meinen Großvater mit dem polnischen Nachnamen Kowalski kennen und gemeinsam gingen sie in die westlichen Gebiete, die damals "Wiedergewonnenen Gebiete" hießen. (...) Ich fühle mich einfach deutsch und das ist mir sehr wichtig. Ich fühle mich deutsch aus historischen Gründen, aus familiären Gründen und weil dieses Deutschsein bei uns zu Hause immer präsent war. Auch weil wir immer viele Gäste aus Deutschland zu Hause hatten, darunter nicht nur Verwandte, sondern auch Freunde der Familie, die uns in den schwierigen kommunistischen Zeiten unterstützt haben, wenngleich ich mich an diese Jahre als Kind weniger erinnere. (...)

Sie sprechen offen und stolz über Ihr Deutschsein, aber Sie leben und arbeiten in einem mehrheitlich polnischen Umfeld, ohne großen Minderheitenhintergrund, wie es z. B. in der Region Oppeln der Fall ist. Spüren Sie keinerlei angst vor einem solch klaren nationalen Bekenntnis?

Wieso denn das? Nein, ich spüre keine Angst. Wir sind ganz einfach nur anders. Polen ist heute wie jedes andere Land in Europa so durchmischt, dass es schwer zu sagen ist, wer woher kommt. Aber wenn ich mich als Angehöriger der einen oder anderen Nationalität fühle und ich mir das auch beweisen kann, warum sollte ich dann nicht stolz darauf sein?

Und wie ist Ihre Geschichte? Wollen Sie diese teilen? - Melden Sie sich bei uns!

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„Ich habe keine Angst“

Als was fühlen Sie sich: ein Deutscher, ein Schlesier, ein Pole, ein deutscher Schlesier?

Ich mag den adjektivischen Begriff nicht. Ich fühle mich zu 100 Prozent als Deutscher und natürlich bin ich auch zu 100 Prozent ein Schlesier. Für mich sind das komplementäre Begriffe, die sich nicht gegenseitig ausschließen! (...)

Was bedeutet es für Sie, Deutscher zu sein?

Ein Deutscher in Polen zu sein ist anders als ein Deutscher in Deutschland. In Deutschland lebt man, trotz der allgegenwärtigen Multikulturalität, von Deutschtum umgeben. Dieses ist wie Luft, man denkt nicht darüber nach, solange man es nicht vermisst. Die Deutschen in Polen sind in einer anderen Situation. Um das Deutschtum um uns herum zu haben, müssen wir es organisieren, zum Beispiel indem wir den Fernseher auf ein deutsches Programm umstellen. Wir müssen uns auch mal die Mühe machen, ein deutsches Buch zu kaufen oder eine CD mit deutscher Musik aufzulegen, die ich normalerweise kaufe, wenn ich in Deutschland bin. Für mich bedeutet das Deutschsein in Polen also eine gewisse Anstrengung, weshalb ich gerne den polnischen messianischen Philosophen Karol Libelt zitiere, der einmal schrieb: „Einmal gewählt, muss ich jeden Tag eine Wahl treffen“. Vielleicht hat es Goethe im „Faust“ noch besser ausgedrückt: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“. Das bedeutet, dass es nicht so ist, dass das Erbe, das wir in unserer Jugend von unseren Eltern erhalten haben, für immer in uns bleibt. Wenn wir es erhalten wollen, müssen wir uns bemühen, ihm etwas zu geben, wovon es zehren kann. Deshalb ist es mir wichtig, was ich lese, sehe und höre.

Sie haben einmal gesagt, dass man auch versuchen sollte, so viel wie möglich Deutsch zu sprechen. Warum so viel wie möglich?

Weil die Fähigkeiten der verschiedenen Generationen sich in dieser Hinsicht deutlich voneinander unterscheiden. Um die Fähigkeit zu erwerben, sich in der deutschen Sprache zu verständigen, braucht man aber auch den oben erwähnten Aufwand – und das habe ich getan. Ich habe das für mich getan und nachdem ich eine Familie hatte, habe ich versucht, das in meiner Familie zu tun. Dabei gehöre ich ja zu der Generation, die in der Schule keine einzige Deutschstunde haben konnte. Natürlich kann ich nicht sagen, dass ich nur Deutsch gesprochen habe, aber in meiner Familie, auch dank meiner Großeltern, gab es viel davon, durch Geschichten, die den Kindern auf Deutsch vorgelesen wurden, Bücher, Schallplatten, deutsches Fernsehen, einfache Gespräche mit den Kindern, Radiohören auf Deutsch. Das Ergebnis ist, dass meine drei Söhne heute perfekt Deutsch sprechen und den Gedanken der zweisprachigen Erziehung auf ihre Familien übertragen haben. Das gibt mir die Hoffnung, dass die nächste Generation zweisprachig sein wird und sich der deutschen Kultur stark zugehörig fühlt!

Allerdings ist es nicht einfach, in Polen Deutscher zu sein. Lohnt es sich, sich zum Deutschsein zu bekennen?

Ich bin kein Opportunist. Ein Opportunist verheimlicht seine Herkunft, wenn er auf der Straße oder in einem Geschäft merkt, dass eine Person, die Deutsch spricht, mit feindseligen Augen angeschaut wird. Ein Opportunist wird auch sein Deutschsein verbergen, wenn er z. B. beleidigende Kommentare in einem Internetforum oder auf Facebook Angriffe auf Deutsche sieht, weil er dann Angst hat. Ich habe keine Angst! Ich habe meine Rechte. Heute, im Gegensatz zurzeit der Volksrepublik Polen, ist es für uns einfacher, denn dank der Demokratie und der Zugehörigkeit zur EU fühlen wir uns durch das europäische Recht und die Sitten unterstützt. Die EU basiert auf dem Prinzip der kooperierenden Vielfalt. Deshalb gibt uns dieses Recht auch die Freiheit, uns zu bekennen. Aber es zwingt uns nicht dazu. Das Bekenntnis ist unsere eigene Entscheidung! Wenn ich in Wahrheit mit meinem Deutschsein zu mir selbst stehe, sollte ich mit der gleichen Wahrheit auch zu anderen stehen.

Die Volkszählung ist nun eine perfekte Gelegenheit.

Ganz genau. Und es ist ein Test der eigenen Wahrheit durch jeden von uns persönlich. Deshalb schreiben wir auf unseren Flyer: „Du zählst!“. Damit lenken wir die Aufmerksamkeit darauf, dass Du ganz konkret zählst – Du, nicht irgendeine Masse. Es hängt nun von Dir ab, wie Du dich definierst. (...)

Mit Bernard Gaida, dem Vorsitzenden des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen und Chef der AGDM in Europa, sprach Krzysztof Świerc.

Voller Inhalt des Gespräches: Wochenblatt.pl

Wichtige Fragen

Alle 10 Jahre wird die Volkszählung durchgeführt, bei der nicht nur Fragen nach dem Bildungsgrad, dem Vermögensstand oder den Wohnverhältnissen gestellt werden, sondern eben auch nach der nationalen Zugehörigkeit. Die deutsche Minderheit appelliert daher an ihre Mitglieder sowie Menschen, die keinem Verein angehören, keine Angst vor der deutschen Nationalität zu haben.

Die diesjährige Volkszählung in Polen soll von April bis Juni dauern, obwohl wegen der Corona-Pandemie Vertreter des Statistischen Hauptamtes bereits davon sprechen, die Volkszählung zu verlängern, und zwar um drei Monate. Das bedeutet, dass jeder Einwohner Polens genug Zeit haben wird, um selbst das Formular online auszufüllen, wobei diese Form auch besonders beworben wird. Wer allerdings nicht selbst auf die Fragen antwortet, bekommt einen Anruf von einem Mitarbeiter des Statistischen Hauptamtes und muss sogar mit dessen Besuch rechnen. Ziel ist es, anders als bei der Volkszählung von 2011, als zu statistischen Erhebungen nur ein bestimmter Prozentsatz an Einwohnern Polens erfasst wurde, dass nun alle daran teilnehmen.

Für die nationalen und ethnischen Minderheiten bedeutet dies schon jetzt den Start einer Werbekampagne für die Volkzählung selbst sowie insbesondere für den Teil, in dem Fragen zur Nationalität und der zu Hause gesprochenen Sprache gestellt werden. „Wir müssen uns eben als Vereine und Verbände sowie deren Strukturen gut vorbereiten und uns als Mitglieder Gedanken machen“, appelliert Bernard Gaida, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Gesellschaften in Polen und unterstreicht, dass es bei der Frage nach der Nationalität oft zu Verwirrungen kommt. “Nationalität ist keineswegs mit der Staatsangehörigkeit gleichzusetzen. Das sind zwei verschiedene Dinge! Auch wenn wir polnische Staatsbürger sind, können wir doch einer anderen Nation angehören. Wenn man sich aber keine großen Gedanken darüber macht, kommt es zu Fehlern”, meint Gaida. Dabei sind die Fragen nach der Staatsangehörigkeit, der Nationalität sowie einer anderen Volksgruppe, der man sich zugehörig fühlt, klar voneinander getrennt: Während die Frage nach der Staatsbürgerschaft relativ weit vorne auftaucht, wird die Volkszugehörigkeit erst später abgefragt. Missverständnisse sollte es also keine geben, sofern man die beiden Begriffe auseinanderhält.

Text: Manuela Leibig
Voller Inhalt: Wochenblatt.pl
Ganze Sendung: Schlesien Journal (19. Januar9. Februar 2021). 

Einstellungsverfahren für Aufzähler − Volkszählung 2021

Die Volkszählung 2021 wird vom 1. April bis 30. September 2021 stattfinden.

Vom 01.02.2021 bis zum 09.02.2021 führen die Gemeindebüros Rekrutierungen für die Aufzähler durch.

Zu den aus der Sicht der Minderheiten wichtigsten Fragen, die während der Volkszählung gestellt wurden, gehören die Fragen zur Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit und der Sprache, die zu Hause verwendet wird. Dies sind auch Fragen, bei denen die meisten Schwierigkeiten auftreten.

Von den Antworten hängt sehr viel ab, denn auf der Grundlage der Ergebnisse setzt die polnische Regierung nicht nur die Bestimmungen des "Gesetzes über nationale und ethnische Minderheiten und über die Regionalsprache" um, sondern auch die polnische Verfassung, die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen und das Übereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten. Die Ergebnisse der Volkszählung haben direkte Auswirkungen auf die Aktivitäten von Minderheitenorganisationen: Sie wirken sich auf den Zugang zu Bildung, Subventionen für kulturelle Aktivitäten und auf die Möglichkeit der Verwendung von Minderheitensprache in Regionen aus, in denen eine Minderheit besteht.

Deshalb ist es uns als Minderheit so wichtig, dass unter den Aufzählern auch Personen aus den Kreisen der Minderheit sind, die mit Problemen der Minderheiten vertraut sind. Wir empfehlen, sich für die Rolle des Aufzählers zu bewerben! Unten finden Sie genaue Informationen über die Einstellung, Schulung und zu den Bedingungen, die der Kandidat für diese Funktion erfüllen sollte. Wir empfehlen Ihnen, diese Informationen zu lesen und an andere weiterzuleiten.

Ein Kandidat für einen Aufzähler sollte die folgenden Bedingungen erfüllen:

  • volljährlich sein,
  • einen makellosen Ruf genießen,
  • einen höheren Sekundarabschluss besitzen,
  • polnische Sprache mündlich und schriftlich verwenden,
  • nicht wegen einer vorsätzlichen Straftat oder einer vorsätzlichen Steuerstraftat mit einer endgültigen und verbindlichen Strafe verurteilt werden.

Allgemeine Informationen:

  1. Daten von Kandidaten für Aufzähler werden von einem autorisierten Mitarbeiter in Verzeichnissystem der Aufzähler (System Ewidencji Rachmistrzów SER) registriert. Ein Kandidat, dessen Daten im SER-System registriert werden, erhält ein Login für die E-Learning-Applikation. Ein Passwort dazu wird ihm an die im Angebot angegebene E-Mail-Adresse gesendet.
  2. Informationen zum Datum und zur Form der Schulung werden an die im Angebot angegebene E‑Mail-Adresse gesendet. Der Abschluss mit einem positiven Ergebnis ist eine notwendige Voraussetzung für die Qualifizierung zu einem Aufzähler.
  3. Der Kandidat ist verpflichtet, an einer online-Schulung teilzunehmen. Die Schulung umfasst theoretische sowie praktische Teile. Die nach der Schulung durchgeführte Prüfung des Kandidaten wird mit der E-Learning-Anwendung durchgeführt. Während des Trainings und der Prüfung nach dem Training verwendet der Kandidat sein eigenes Gerät mit Internetzugang (empfohlen wird Laptop, Computer oder Tablet). Ein Kandidat, der an der gesamten Ausbildung nicht teilnimmt, kann die Abschlussprüfung nicht ablegen.
  4. Kandidaten, die in der Prüfung ein positives Ergebnis erzielen (mindestens 60% der richtigen Antworten), werden in die Liste der Personen eingetragen, die als Aufzähler qualifiziert sind. Die Reihenfolge auf der Liste bestimmt die höchste Anzahl von Punkten, die die Kandidaten aus einer bestimmten Gemeinde in der Prüfung erhalten haben (als erstes Kriterium), und − bei gleicher Anzahl von Punkten − durch die kürzeste Zeit, in der der Test geschrieben wurde (als zweites Kriterium). Neben Namen jedes Kandidaten enthält die Liste die Ergebnisse beider Kriterien.
  5. Die Kandidaten mit höchster Position auf der Liste werden (in der Anzahl, die den Bedürfnissen entspricht) zu Aufzählern der Volkszählung ernannt. Anschließend unterzeichnen sie einen Vertrag mit dem Direktor des Statistischen Amtes - als Stellvertreter des Beauftragten für die Woiwodschaftszählung. Die verbleibenden Kandidaten, deren Anzahl die Nachfrage in einer bestimmten Gemeinde übersteigt, bilden eine Reserveressource.
  6. Der Kandidat hat das Recht, seine Prüfung und das erzielte Ergebnis sofort nach Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse einzusehen und die Überprüfung des Ergebnisses zu beantragen.
  7. Nach seiner Ernennung zum Aufzähler ist der Kandidat verpflichtet, die zum Abschluss des Vertrags erforderlichen Daten und Fotos für den Namensschild mithilfe der E-Learning-Applikation zu schicken. Die Fotos sollten bestimmte Anforderungen erfüllen:

         a) einheitlicher Hintergrund, beleuchtet, frei von Schatten, dekorativen Elementen und anderen Personen,
         b) Dateiformat - JPG,
         c) Fotogröße - 23 x 30 mm, was:
                bei einer Auflösung von 300 dpi, der Größe von 272x354 Pixel,
                und bei einer Auflösung von 600 dpi der Größe von 543x709 Pixel entspricht.

Der Aufzähler, der im Rahmen des offenen Einstellungsverfahrens nach den im Gesetz über die Volkszählung 2021 festgelegten Grundsätzen ausgewählt wird, führt Aktivitäten im Rahmen des mit dem Direktor des statistischen Amtes geschlossenen Vertrages mithilfe von einem entsprechend ausgerüsteten Mobilgerät. Das Gerät wird dem Aufzähler auf der Grundlage des im Vertrag beigefügten Übergabeprotokolls übergeben.

Die Hauptaufgaben des Aufzählers umfassen:

  1. Durchführung von direkten oder telefonischen Interviews, abhängig von der aktuellen Situation im Zusammenhang mit der Epidemie COVID-19, unter Verwendung des entsprechend ausgerüsteten mobilen Geräts,
  2. Datenerfassung gemäß der festgelegten Methodik und gemäß den wichtigsten im Antragsformular beinhalteten Fragen,
  3. Übernahme eines Teils der Aufgaben anderer Aufzähler im Notfall, z. B. falls die Anzahl der Aufzähler in der Gemeinde abnimmt (z. B. bei Rücktritt, Krankheit usw.) oder die Einhaltung der Volkszählungsfrist gefährdet ist.

Angebotsangabe:

Der Kandidat kann Dokumente persönlich im Sitz des Gemeindebüros, per E-Mail oder per Post einreichen:

a) Bei persönlicher Übermittlung von Unterlagen an das Amt oder deren Zustellung per Kurier zählt das Datum der Zustellung des Antrags. Bewerbungen sollten vom 1. Februar 2021 bis 9. Februar 2021 in den Büros in einem geschlossenen Umschlag mit der Anmerkung "Bewerbung eines Kandidaten für einen Aufzähler in der Volks- und Wohnungszählung im Jahr 2021" eingereicht werden;
b) Im Falle des Versendens von Dokumenten per E-Mail an die in der Ankündigung angegebene E-Mail-Adresse zählt das Datum der Eingabe der Erklärung in das elektronische Kommunikationsmittel des Absenders (Datum des Versendens der E-Mail);
c) Beim Versenden von Dokumenten über die ePUAP-Plattform wird das Datum des Versendens des Angebots gezählt, das dem Datum des Eingangs der offiziellen ePUAP-Mailbox entsprechen sollte (Erscheinen der Benachrichtigung im Computersystem);
d) Bei Versand von Dokumenten durch die Post − Datum des Poststempels.

Angebote der Bewerber, die nach Ablauf der Frist, auf eine andere als die in der Anzeige erwähnte Weise oder nicht komplett eingereicht werden, werden im Einstellungsverfahren nicht berücksichtigt.

Weitere Informationen zur Volkszählung finden Sie auf der Website des Statistischen Zentralamtes (Seite in polnischer oder englischer Sprache).

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