Log in

Deutsche Minderheit online

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Pandemie und alles, was sie von uns abverlangt, nicht ohne Einfluss auf unser Leben bleibt. Gerade als ich diese Worte schreibe, beginnt die „Deutsche Filmwoche“, wie immer in Zusammenarbeit mit dem Oppelner Kino Meduza, diesmal aber im Netz. Hinter uns liegen die „Deutschen Kulturtage“ in der Oppelner Region, bei denen die meisten Veranstaltungen online zugänglich gewesen sind. Viele unserer Organisationen führten traditionelle Rezitations- und Gesangswettbewerbe mit Hilfe von digitalen Datenträgern durch. Seit einigen Wochen gibt es das Bildungsprojekt „LernRAUM.pl“ mit Vorträgen und Workshops auf Internetplattformen. In Schulen, die ebenfalls Fernunterricht praktizieren, wird auch die außerschulische Lerninitiative „Deutsch AG“ online angeboten. Sie unterstützt das Deutschlernen in den letzten beiden Grundschulklassen, in denen die Deutschstundenanzahl aufgrund einer Entscheidung des Bildungsministeriums gekürzt wurde. Online funktionieren sogar Sportprojekte wie die „Miro Deutsche Fußballschule“.

Als aktiver Teilnehmer des Projektes „LernRAUM.pl“ kann ich über diese Idee, über die ich und einige andere in der Minderheit seit Jahren nachgedacht haben, mit Freude sagen, dass sie ins Schwarze getroffen hat. Ohne die Pandemie wäre ihr Beginn gewiss schwieriger gewesen. Dank dieser nicht alltäglichen Situation wird jeder Vortrag oder Workshop zur Geschichte, Politik oder regionalen Traditionen von Lokalkoordinatoren organisiert, aber er ist einem breiten Publikum zugänglich. Im Schulungsprojekt zur besseren Nutzung von Smartphones beim Fotografieren nahmen neben mir auch Menschen aus Ratibor, der Nähe von Oppeln, aus Himmelwitz, aber auch aus Bromberg, Breslau und … der Umgebung von Frankfurt am Main teil. Dank eines anderen Projektes konnte ich an einer Diskussion mit Dr. Jerzy Gorzelik über die neueste Geschichte Oberschlesiens teilnehmen und in wenigen Tagen, ohne das Haus zu verlassen, werde ich die Eigenheiten Ermlands kennenlernen. Alles auf Deutsch.

Das ist der Reichtum der technischen Möglichkeiten. Möge es bei uns bleiben und noch besser genutzt werden für die Diaspora, in der sehr viele Deutsche im heutigen Polen leben. Doch die Pandemie und die so stark in Internet versetzten Aktivitäten schneiden uns von Präsenz-Projekten, Treffen, der Sprache… von der Gemeinschaft ab. Nach der Pandemie werden wir uns all den Ausgegrenzten zuwenden und unsere Gemeinschaften wiederbeleben müssen. Das erhalten, was neu ist und das Alte nicht verlieren.