Log in

Schwierige Beziehungen

Schwierige Beziehungen Quelle: dw.com

Nach dem Sieg von Bayern München (ich betone, dass Fußball gänzlich außerhalb meiner Interessen liegt) und der damit verbundenen Begeisterung aller polnischen Medien, auch des programmatisch antideutschen TVP könnte man meinen, dass es in den Beziehungen zu Deutschland und den Deutschen zu einer Wende kam. Dem ist aber nicht so. Es reicht, nur auf die Sackgasse zu schauen, wenn es um das nichterteilte Agrément des vor drei Monaten in Berlin ernannten neuen Deutschen Botschafters in Polen geht.

Ich hatte die Ehre, bei der feierlichen Verabschiedung Rolf Nikels, der bei diesem Festakt mehrmals die deutsch-polnischen Beziehungen als „besser als wir denken“ beschrieb, dabei zu sein. Die Patsituation, die wir jetzt mit der Ernennung seines Nachfolgers Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven haben, scheint zu beweisen, dass es ganz anders ist. Vielleicht sind die Beziehungen in Wirklichkeit „schlechter als wir denken“. In Deutschland wächst die Besorgnis, vielleicht auch schon die Ungeduld wegen der Situation, in der die Ernennung eines hervorragenden Diplomaten mit einer Berufserfahrung auf Topposten in Deutschland und europäischen Institutionen so lange keine Zustimmung seitens des polnischen Außenministeriums erhält. Im Juli war die Rede davon, die Sache verzögere sich wegen der Wahlen in Polen. Einen Monat danach ist es schwierig, sich weiterhin darauf zu beziehen. Es ist auch schwierig zu verstehen vor dem Hintergrund der normalen diplomatischen Beziehungen zwischen Staaten, die normale, konfliktfreie Kontakte pflegen. Solche Gesuche werden da ohne unnötige Verzögerung angenommen.

In einigen Medien wurde zwar sofort nach Bekanntwerden der Kandidatur Freytag von Loringhovens beschrieben, sein Vater sei bis zum Schluss in Hitlers Bunker gewesen. Ein Teil nahm es eher als eine interessante Meldung an,  vor allem, weil dieser Vater später hohe Funktionen in der NATO innehatte. Aber vielleicht werden solche Informationen von vor 75 Jahren in einem Land, in dem man aus Wahlkampfzwecken ernsthaft Donald Tusk seinen Großvater in der Wehrmacht vorgehalten hat, nicht als einfache Meldungen aufgenommen. Vor allem außerhalb der diplomatischen Kreise und wie deutsche Medien suggerieren, wurde die Entscheidung über eine bewusste Verzögerung außerhalb des Außenministeriums getroffen.

Hier sollte man auch den Tropfen suchen, der bei Minister Jacek Czaputowicz das Fass zum Überlaufen gebracht hat, da ihm seine Entscheidungsmacht in Sachen diplomatischer Beziehungen mit dem wichtigsten Partner Polens entzogen wurde. Das ändert nichts daran, dass die Frage bleibt, was der eigentliche Grund für das Überstrapazieren der deutsch-polnischen Beziehungen ist. Ist es die Tatsache, dass einige Kommentatoren sehen, das „Kaliber“ des neuen Botschafters sei verbunden mit dem Grad der Schwierigkeiten mit der Stellung Polens in Europa und in den bilateralen Beziehungen? Das konnte wohl in Regierungskreisen negativ aufgenommen worden sein.