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Freudige und tragische Jahrestage

Freudige und tragische Jahrestage Pixabay.com

Der Maianfang machte deutlich, dass die Menge an Jahrestagen so groß ist, dass manche sich darin nicht mehr zurechtfinden. Manche Jahrestage wurden vergessen, bei anderen wird übertrieben oder zumindest nicht zu Ende nachgedacht. Schauen wir nur auf zwei von ihnen.

Viele haben den 1. Mai als folgenden Jahrestag der EU-Erweiterung vergessen, deren der Nutznießer u.a. Schlesien gewesen ist. Vor 16 Jahren wurden alle Teile Schlesiens sowie die Staaten, auf die die Region aufgeteilt wurde, Mitglied einer Gemeinschaft. Die Staatsgrenzen sind nicht verschwunden, aber im Schengener Abkommen verschwand ihr repressiver Charakter. An diesem Tag war es wichtig, in zwei Zitate der Schuman-Erklärung hinein zu hören, der die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) für Kohle und Stahl als ersten Schritt zum Entstehen einer europäischen Föderation angesehen hat. Dieser Weg dauert nun schon lange an, sein Sinn aber hat sich bewahrheitet. Schuman sagte, „ohne Europa haben wir Krieg gehabt“. Es hat sich gezeigt, dass allein die Bildung einer Gemeinschaft uns seit Jahrzehnten Frieden bescherte. Den Gegnern des Integrationsprozesses und den Befürwortern der Überlegenheit der nationalen Interessen gegenüber den gemeinschaftlichen sollte dies in Erinnerung gerufen werden.

Man muss den Kritikern aber auch sagen, dass „Europa nicht sofort und nicht als Ganzes“ entsteht. Die Entstehung von Europa ist die Überwindung vieler Teilungen, wie die in Schlesien im Jahr 1921. Sie waren immer verschuldet. Während einige immer noch unreflektiert Anfang Mai die Helden des vermeintlichen „Aufstandes des schlesischen Volkes“ ehren, sollten sie dies bereits mit neuen Forschungsarbeiten polnischer Historiker vergleichen. Sie sprechen mutig davon, dass der Blick auf die Aufstände, vor allem aber auf den dritten, sich ändern müsse. Prof. Kaczmarek nennt sie einen unbekannten „deutsch-polnischen Krieg“ und die These, dass es eher ein polnischer Aufstand in Schlesien und kein schlesischer Aufstand gewesen ist, ist ihm nicht fremd. Die Eliten der Aufstände aus Schlesien erhielten seit langem einen Sold aus Polen. Neben einer diplomatischen Aktion war es eine großangelegte Aktion des polnischen Militärgeheimdienstes, dessen Ergebnis der Transport von Soldaten nach Schlesien (entgegen den internationalen Regelungen), von Waffen und Offizieren war - alles unter dem Deckmantel eines Bruderkampfes unter den Schlesiern selbst.

Ich hatte Anteil daran, dass bei seinem Besuch auf dem Annaberg der damalige Staatspräsident Komorowski auch die deutschen Oberschlesier ehrte, die den Berg und ganz Schlesien verteidigten in der Überzeugung, ein Recht zu haben auf dessen Verteidigung und den Traum, die Region möge bei Deutschland verbleiben. Deshalb kann man heute, aus der Perspektive des sich vereinenden Europas, das Gedenken an den Kampf um Schlesien von vor 100 Jahren nicht im alten Stil begehen. Das sich auf dem Annaberg befindende Denkmal steht an der Stelle des nach dem Krieg gesprengten Mausoleums zu Ehren der deutschen Verteidiger des Berges. Möge eines Tages aus beiden Denkmälern ein gemeinsames entstehen, das aller Gefallenen gedenkt, die in den Kampf geführt wurden von Politikern, die ihrerseits eine Grenzveränderung entgegen der Ergebnisse der Volksabstimmung herbeiführen wollten, dabei aber ruhig in ihren Amtszimmern in Warschau, Posen, Paris oder wo auch immer saßen.