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Immanuel Kant

Immer wieder schreibe ich in meiner Kolumne über unsere deutsche Identität, die ja gleichzeitig in der jeweils regionalen Identität verankert ist. Also darüber, wie es ist Schlesier, Ermländer, Kaschube und gleichzeitig Deutscher zu sein.

Da wir in Polen leben, sind wir von einer völlig anderen Kultur umgeben und sowohl unsere regionale als auch die deutsche Kultur werden, gelinde gesagt, nicht hoch geschätzt. Deshalb kann der Erhalt unserer Identität nicht dem Zufall überlassen werden. Es verlangt eigenen Einsatz. Wir müssen ständig das kennenlernen, was in unserer Kultur am wertvollsten ist und vor allem das, was auch für das uns umgebende Kulturbild uneingeschränkten Wert darstellt. Worauf wir also stolz sein können.

Gewiss gehört zu solchen Personen Immanuel Kant, dessen folgender Geburtstag am 22. April gefeiert wurde. Ohne diesen bedeutenden Deutschen wäre die heutige Welt mit ihrem Fortschritt in Wissenschaft, politischer Idee, Philosophie und sogar Ethik nicht zu denken. Sein Werk und seine Bedeutung kann man in einer kurzen Kolumne nur schwer beschreiben, es reicht zu sagen, dass er in der Philosophie einen ähnlichen Umsturz herbeiführte wie Copernicus in der Astronomie. Für uns hier sollte reichen, dass dieser Denker in seinem logischen System zu Gott und den von ihm kommenden ethischen Werten gelangt ist. Manchmal wissen wir gar nicht, dass der "kategorische Imperativ" ein Begriff des in Königsberg geborenen Philosophen ist. Er schrieb: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde". Man solle also so handeln, wie man es von anderen will. Das öffentliche Recht sollte sich nach zwei Grundsätzen richten: „Handle so, dass du die Menschheit als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst“ und „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ Kant ist auch Autor des aussagekräftigen Satzes: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir". Letztendlich war er ein Verfechter der republikanischen Staatsform, doch er kritisierte stark den Krieg als Gefahr für die Menschheit und die Entwicklungskraft. Er formulierte ein für Rationalisten, die ein Problem mit dem Glauben an Gott haben, wichtigen Satz: "Moralische Notwendigkeit ist es die Existenz Gottes anzunehmen".

Er ist auch durch seine Heimatverbundenheit bekannt. In seinem 79 Jahre langen Leben verließ er nie Königsberg, die Hauptstadt Ostpreußens. Ein Beweis dafür finden wir z.B. in Krockow, wo die Korrespondenz Luise von Krockows mit Immanuel Kant erhalten geblieben ist, die ihn inständig eingeladen hatte. Der Königsberger Philosoph kam nie nach Krockow. Tja, er machte auch für Luise keine Ausnahme. Erinnern wir uns also auch mit Stolz an ihn, wenn wir auf die Landkarte schauen und an der Stelle, wo früher das Kantsche Königsberg lag, heute Kaliningrad sehen.

Letzte Änderung am Freitag, 04 Mai 2018 12:48