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Bernard Gaida

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Nicht die Stimme vergeuden

Vor den Wahlen, die am kommenden Sonntag auf uns zukommen, hört man immer wieder verschiedene Bedenken der Wähler. Es kommt einem vor, als würde immer noch die fälschlicherweise von einigen Medien verbreitete Information vorherrschen, dass ein Abgeordneter der deutschen Minderheit im Sejm garantiert sei.

Wenn wir in Ungarn leben würden, wäre es auch wirklich so. Doch nationale Minderheiten in Polen haben kein derartiges Privileg wie die in Ungarn lebenden. Außerdem gibt es nur in der Woiwodschaft Oppeln eine Liste des Wahlkomitees Deutsche Minderheit, die neben Listen anderer Parteien zur Wahl steht. Darüber hinaus kann man noch in der Woiwodschaft Schlesien einen Kandidaten der deutschen Minderheit auf der Liste der Bürgerkoalition finden. Nirgendwo anders taucht die Minderheit bei diesen Wahlen auf, weshalb eine Mobilisierung unserer Gemeinschaft so wichtig ist.

Ein Abgeordneter der deutschen Minderheit, bislang Ryszard Galla, entscheidet wie jeder andere Abgeordnete in allen Dingen, mit denen sich der Sejm befasst. Ähnlich wäre es bei einem Senator. Und da kommen eben die weiteren Bedenken der Wähler, die bezweifeln, ob man mit einem oder zwei Stimmen überhaupt etwas im Parlament erreichen kann. Mathematisch gesehen vielleicht nicht, aber inhaltlich um so mehr. Und dafür gibt es viele Beispiele.

Dazu zählt die Tatsache, dass Dank der Anwesenheit unseres Abgeordneten in der letzten Amtsperiode erreicht werden konnte, dass Denkmäler für gefallene deutsche Soldaten nicht von einer geplanten Gesetzesänderung betroffen wurden, die im Grunde den Abbau dieser Mahnmale vorgesehen hätte. Man kann auch negative Beispiele nennen, dass trotz großer Bemühungen etwas nicht aufgehalten werden konnte. Als Beispiel kann hier die diskriminierende Anforderung für Richter angeführt werden, sie dürften ausschließlich die polnische Staatsbürgerschaft besitzen. Leider haben in diesem Fall auch die Abgeordneten der Opposition eine solche Änderung als nicht wichtig genug erachtet, um unseren Abgeordneten zu unterstützen. Dies sowie unser einsames Ringen mit dem Bildungsministerium, das den Zugang zum Deutschunterricht in unseren Schulen erschwert, zeigen, dass in strikt minderheitsbezogenen Themen keine politische Partei sich auf unsere Seite stellt.

Das ist eine schmerzhafte und langjährige Erfahung. Eine Erfahrung, die lehrt, dass die schlesische Stimme nur dann nicht vergeudet wird, wenn sie auf einen Kandidaten der Deutschen Minderheit fällt.

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Das Gesicht des Wahlkampfes

Es dauert der Wahlkampf an, dessen Bilder in den Medien präsentiert werden und ungeachtet der politischen Sympathien zur Reflexion zwingen. Wie es in Polen üblich ist, übertreffen sich die politischen Parteien in Emotionen. Am einfachsten ist es, diese zu entfachen, wenn wirkliche oder fiktive Affären aufgedeckt werden, Plänkler zu Wort kommen oder statt eigener Programme die der Gegner lächerlich gemacht werden. Emotionen entstehen auch dank des Geldes, was in der letzten Zeit im Wahlkampf zur Norm wurde. Eine Norm, die aus offensichtlichen Gründen nur von der Regierungspartei genutzt werden kann. Immer weitere Sozialtransfers oder deren Ankündigung, von denen einige sinnvoll waren, haben längst eine Grenze überschritten, sodass sie nun aus makroökonomischer Sicht schädlich sind und das gemeinsame Konto für die Zukunft belasten. Sie haben aber Einfluss auf die Wähler. Daher machen sie auch viele Politiker abhängig und der Opposition geben sie im Grunde keine Chance auf die Entwicklung eigener sinnvoller Programme. Eine andere Sache ist, ob die Oppositionsparteien lange vor den Wahlen an Alternativen und schlüssigen Programmen gearbeitet haben. Es war schwierig, dies zu sehen.

Ein Bild des Wahlkampfes sind die bunten Banner und Plakate an Zäunen, Brücken und anderen Flächen. Neben dem Gesicht und einem Slogan beinhalten sie zumeist nichts mehr. Ein anderes Bild sind Treffen mit Wählern. Millionen Menschen sehen fern und hören die Tiraden und Reden im Blitzlichtgewitter, in Hallen und Stadien und die Medien entnehmen daraus einzelne Sätze nach ihrem Gusto. Öffentlich-rechtliche Medien, die schon längst ihren öffentlichen Charakter und die Mission verloren haben, sind dabei keine Informationsgeber mehr sondern Teilnehmer des Wahlkampfes.

Im Schatten der polenweiten Gefechte führen regionale Gruppierungen ihren Wahlkampf weniger spektakulär. Das sieht man am Beispiel Oberschlesiens, wo die Wähler daran gewöhnt sind, dass auf den Listen Kandidaten auftauchen, die nicht zum Mainstream gehören. Dazu zählen auch Kandidaten der deutschen Minderheit in beiden oberschlesischen Woiwodschaften. Wenn man die sozialen Medien beobachtet, sieht man, mit welcher Mühe, aber auch Wertschätzung für die Wähler, die Kandidaten Dörfer und Städte besuchen und sich mit deren Bewohnern treffen. Schade, dass bei diesen Treffen vor allem der ältere und erfahrenere Teil der Gesellschaft diesen qualitativen Unterschied bemerkt - zwischen dem einfachen Aushängen von Bannern und einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht sowie den Gesprächen mit hunderten von Bewohnern, nicht nur von Großstädten und nicht immer im Blitzlichtgewitter, sondern in den DFKs und den Dorfclubs.

Hoffentlich stellen wir uns beim Urnengang die Frage, welche der von den Plakaten lächelnden Personen irgendwann vor oder im Wahlkampf in unser Dorf gekommen ist. Wen interessierte wirklich meine Meinung? Ist es nicht sicherer, die zu wählen, für die ich ein Teil ihrer Heimat bin und nicht nur einer von Millionen anonymer Einwohner Polens.

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Brief aus dem Heiligen Land

Wenn dein Reiseführer ein Bibelkundiger ist, wird die Reise durch Cäsarea, Nazareth, Kafarnaum, Magdala, Bethlehem, En Kerem, Jerusalem und viele andere Orte zu einer Reise nicht nur durch mehrere Jahrhunderte Bibelgeschichte, sondern auch durch die Geschichte der ersten Pilger und Kreuzritter, Sakralbauten und Klöster sowie durch ein zu denken gebendes Dasein des Christentums trotz völligen Wechsels der Herrscher und der dominierenden Religionen von den Zeiten Jesu bis heute. Wenn der Reiseführer zudem Theologe ist, werden im Heiligen Land die Lehre der Kirchenväter, der Mailänder Vereinbarung, der Strömungen des Nestorianismus, die Einflüsse der ersten Synoden, der byzantinischen und römischen Kirche sichtbar. Das Heilige Land lehrt auch, dass es möglich ist, aus einem Land mit einem blühenden Christentum durch Überfälle eine Region ohne Kirchen und mit einem dominierenden Islam zu machen. Und gleichzeitig lehrt es, dass das Christentum trotzdem weiter besteht.

Heute jedoch ist die Sprache der Christen in Palästina arabisch und in dieser Sprache verzieren viele Bewohner von Bethlehem die Hausfassaden mit Zitaten aus der Heiligen Schrift. Genauso tun es ihre muslimischen Nachbarn mit den Suren des Korans. Das Heilige Land zeigt, wie wenig eurozentristisch die Kirche heute ist. An allen Orten sieht man andächtige und betende Gesichter aller Kulturen Asiens, Afrikas, Südamerikas. Indianer, Hindus, Thais, Japaner, Chinesen, Koreaner neben Afrikanern und Arabern. Locker angezogene Europäer aus dem Westen neben Russinnen, die ihre Köpfe mit Tüchern bedecken, kurze Hosen neben langen Saris und bunt angezogenen Bewohnern Afrikas. Katholiken, Russisch-Orthodoxe und Protestanten - für sie alle ist die Erde, auf der Jesus gegangen ist, heilig. In den Gotteshäusern, die mehrheitlich in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden sind, sieht man Aufschriften in griechischer, lateinischer und arabischer Sprache und an den Wänden vor der Kirche Mariä Heimsuchung in En Kerem das Magnificat in unzähligen Sprachen der Welt.

Wenn man auf diese fröhliche Gemeinschaft in der Geburtskirche schaut, auf die weißen, schwarzen und gelben Gesichter in Franziskanerkutten, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Krise der Kirche ein Problem unseres Erdteils ist. Hier im Heiligen Land ist die Kirche lebendig und sie verblüfft mit ihrem Strahlen neben der jüdischen und arabischen Kultur. Wenn man durch die Straßen geht, durch die schon Jesus gegangen ist, dann vor der Klagemauer in Jerusalem steht und ungezwungen durch eine Synagoge geht, in der gerade Juden im Gebet vertieft sind, versteht man, wieso sie die älteren Brüder im Glauben genannt werden. Und wenn über den Köpfen der betenden Christen und Juden auf einmal die Stimme des Muezzin die Muslime zum Gebet ruft, spürt man keinen Missklang. Es ist wohl so, weil Menschen mit einer starken Identifikation und einem starken Glauben keine Angst vor der Offenheit gegenüber anderen haben.

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Völkerverständigung mit Richard Henkes

Seit Jahren ist schon bekannt, dass der VdG Pilgerreisen zu den schlesischen Wallfahrtsorten organisiert, bei denen jahrhundertelang die Schlesier gemeinschaftlich gebetet haben. Damit stärken wir zwei wichtige Seiten der schlesischen Identität: den Glauben und die Bindung an die deutsche Sprache, Geschichte und Kultur. Bei der Wallfahrt nach Zuckmantel spielt die Völkerverständigung eine sehr wichtige Rolle. Schließlich ist das die Wallfahrt der Nationen zu Maria Hilf, wo alle drei benachbarten Sprachen wichtig sind.

Vor kurzem wurde mir gesagt, dass die diesjährige Wallfahrt besonders mit der Seligsprechung von Pater Richard Henkes am 15.09. in Limburg verbunden ist. Wieso? Vor zwei Wochen habe ich auf der Rückreise aus Königswinter von der A3 das prachtvolle Schloss in Montabaur gesehen. Nicht weit von dort ist Henkes geboren und ebenso unweit in Limburg wurde er 1925 zum Priester geweiht. Kurz danach kam er 1931 als Pallottiner nach Oberschlesien und wirkte hier fast bis zum Ende seines Lebens. Hier musste er sich als Priester mit hohen Idealen mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. In Katscher wurde er Schullehrer, aber er predigte in vielen Kirchen Schlesiens, vom Hultschiner Ländchen bis nach Frankenstein und den St. Annaberg.

Bekannt als konsequenter Kritiker der Nazi-Politik stand er schon vor dem Krieg vor dem Sondergericht in Breslau, aber erst im April 1943 wurde er von der Ratiborer Gestapo verhaftet und in das KZ nach Dachau gebracht. Dort hatte sich Henkes als Freiwilliger im Wissen um die eigene tödliche Bedrohung bei den Typhuskranken von Block 17 einschließen lassen, um sich um diese zu kümmern. Nach rund zwei Monaten im Dienst der Nächstenliebe infizierte er sich und innerhalb von fünf Tagen raffte ihn der Tod dahin. Er lebte ein Leben, in welchem das Bekenntnis des Glaubens und der Werte, die aus dem Evangelium ausstrahlen, wichtiger waren als lebensbedrohende Konsequenzen.

Henkes war kein geborener Schlesier, aber sein Leben mit unserer Heimat war so tief verbunden, dass wir ihn bestimmt als schlesischen Heiligen betrachten dürfen. Er steht in einer Reihe mit Gerhard Hischfelder aus Glatz, Maria Merkert aus Neisse und vielen anderen deutschen Seligen und Heiligen Schlesiens, die von der Katholischen Kirche in den heute polnischen Diözesen Schlesiens nicht vergessen werden dürfen und verehrt sein sollen. Das dürfen wir verlangen. Im Dienst des Glaubens und der Völkerverständigung.

Bernard Gaida

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