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Danziger Platt

Die politische Situation im Land nach dem Unglück, das die Familie und die Stadt nach dem Tod von  Paweł Adamowicz ereilte, wurde noch schwerer. Doch in der ersten Woche nach dem Tod wurde in den Berichten und den eher zurückhaltenden politischen Kommentaren viel über den Stadtpräsidenten als Mensch bekannt. Schon vorher wussten wir, dass er ein offener Mensch ist, was auch die Offenheit für Andere bedeutete.

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Hass ist leicht

Die Worte "Hass" und "Verachtung" werden nach der Ermordung des Danziger Stadtpräsidenten  Paweł Adamowicz fast schon inflationär gebraucht. Und das tun alle, sowohl auf der linken als auch der rechten politischen Seite. Und dies geschieht soweit, dass man glatt bezweifeln kann, die Verurteilung des Hasses wäre wirksam oder zumindest ehrlich gemeint. Ich bin persönlich überzeugt,  dass die Mehrheit der Sprechenden dies konjunkturell tut und weit weg ist von einer eigenen Gewissenserforschung. Ich stimme mit denen überein, die den Hauptverursacher auf der politischen Seite sehen, die nicht wirklich richtig als konservativ betrachtet wird. Auch die Worte Pater Ludwik Wiśniewskis, dass "der Mensch, der die Hassprache benutzt, der seine Karriere auf einer Lüge aufbaut keine hohen Funktionen in unserem Land innehaben darf", einen konkreten Empfänger haben.

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13.01.2019, 23.00

Diese Kolumne schreibe ich eigentlich immer sonntags und diese sollte Kreisau gewidmet werden, weil in diesem Jahr das 30. Jubiläum der Versöhnungsmesse am 12. November 1989 stattfindet. Und in wenigen Tagen, genau am 23. Januar, sind 74 Jahre nach dem in Berlin-Plötzensee vollstreckten Todesurteil gegen einen der Gründer des Kreisauer Kreises Helmuth von Moltke vergangen.

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Łambinowice/Lamsdorf und ……

Hinter uns liegt Weihnachten und das Drei-Königs-Fest, das ja eigentlich Fest der Erscheinung des Herrn heißt. Und ab Montag begann für uns der Alltag des Jahres 2019.

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Wahlen in der CDU

Seit dem Moment, als Kanzlerin Angela Merkel sagte, sie werde nicht mehr für den Vorsitz der CDU kandidieren und dass diese Legislaturperiode ihre letzte als Kanzlerin ist, diskutiert Deutschland über ihre Nachfolge. Keine bisherigen innerparteilichen Wahlen fanden wohl in einer solch deutschlandweiten Perspektive statt. Im Hintergrund steht nämlich die Frage: Welchen Kurs braucht heute die Partei und wer kann ihn garantieren, aber auch ob im Hinblick auf die Wahlen in der Partei es möglich sein wird, die Bundesregierung unter Angela Merkel bis zum Ende durchzuhalten.

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Struktur ist nicht das Ziel

Jede Kolumne entsteht seit Jahren in einer bestimmten Situation. Diese schreibe ich am Montag nach den Kommunalwahlen, bei denen sich gute und schlechte Nachrichten immer noch so sehr abwechseln, sodass ich keine tiefergehende Analyse wage. Ich erlaube mir lediglich einen Satz der Freude und einen kurzen Kommentar.

Es kam nach den Wahlen heraus, dass Polen weiterhin zweigeteilt ist, also in den westlichen und nördlichen Teil mit einer proeuropäischen Einstellung sowie in den östlichen (ergänzt durch Ostoberschlesien und Niederschlesien), wo man mehrheitlich für den Konflikt nach Außen hin und die Infragestellung demokratischer Grundsätze nach Innen steht. Unter den schlesischen Woiwodschaften wurden der Oppelner Teil Oberschlesiens und Grünberg zu noblen Ausnahmen. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechtere ist, dass wohl aufgrund dieser tiefen ideologischen Spaltung der Polen die regionalen Gruppierungen verlieren, die nicht an diesem das Land zermürbenden Streit der Postsolidarnosc-Parteien  teilnehmen und deswegen außerhalb der Wahl der Menschen liegen, deren Anliegen es ist, sich auf die eine oder andere Seite des polenweiten Streits stellen zu wollen. Dabei verliert auch die Deutsche Minderheit, jedoch weniger als es in der Woiwodschaft Schlesien der Fall ist, wo schlesisch-regionale Gruppierungen gar kein Mandat für den Sejmik, also das Regionalparlament, erlangt haben.

Für tiefergehende Analysen kommt noch die Zeit und bis dahin kann man auch darüber sinieren, dass sich in unserer Umgebung dank menschlichem Willen und Gottes Hilfe außergewöhnliche Dinge tun. Wir wissen, dass das Gebiet der ehemaligen DDR weltweit die Region mit den meisten Atheisten ist und außerdem ist das Gebiet traditionell und eindeutig mit protestantischen Traditionen verbunden. Doch am Sonntag auf dem Weg nach Berlin besuchte ich Neuzelle bei Eisenhüttenstadt und das dortige neue Zisterzienserkloster. Im September besiedelten das vor langer Zeit geschlossene Kloster Zisterzienser aus der Abtei Heiligenkreuz in Österreich und stellen sich auf Missionsarbeit ein. Am Sonntag nahm ich am Abendgebet mit gregorianischen Gesängen teil, an dem gerade einmal vier Gläubige teilgenommen haben, während im benachbarten Restaurant alle Plätze belegt waren.

In dieser Situation führte ich ein kurzes Gespräch mit dem Abt dieser siebenköpfigen Klostergemeinschaft. Auf meinen Einwand hin, dass es für sie schwer sein müsse hier inmitten dieser Glaubenswüste neu zu beginnen, antwortete der Mönch, wir seien zu sehr an Strukturen gewöhnt.  Ohne Strukturen aber würden viele Dinge leichter fallen und tiefer gehen, auch wenn sie nie zu einer Massenbewegung werden. Dieser Gedanke bewegt mich wegen seiner Einfachheit und dem Vertrauen in den Sinn der Arbeit. Strukturen können nicht das Ziel sein, Ziel unserer Arbeit muss immer der Mensch und seine Identität sein. Das Innere und nicht das Äußere zählt. Dieser Gedanke verbindet auch diese Kolumne.

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Kommunalwahlen

Der Wahlkampf hat begonnen. Ein Wahlkampf, der theoretisch jedem von uns am nächsten ist und dessen Themen uns am meisten interessieren sollten. Unter den Kandidaten in der Woiwodschaft Oppeln werden auch Personen sein, die bei den Wahlen von der Liste der Deutschen Minderheit kandidieren werden. In anderen Woiwodschaften werden auf den Listen anderer Komitees Personen auftauchen, die durch ihr Engagement für die deutsche Volksgruppe in Polen bekannt sind. Es ist eine wichtige Information, dass es in einer Zeit, in der die Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit nicht unbedingt positiv betrachtet wird, Menschen gibt, die diesen Mut haben.

Einige dagegen hat der Mut verlassen, oder es überwog das politische Kalkül, sodass die eigene klare Identität nun mit etwas kleineren Lettern geschrieben wird. Ungeachtet dessen stehen alle, die von lokalen und regionalen Komitees zu den Wahlen starten, in wahrer Opposition zum politischen Establishment, das seinen Wahlkampf im TV austrägt und sich über die Anzahl der U-Bahn-Linien in Warschau streitet, oder darüber, wie solide die Umfrage in Krakau gemacht wurde, die der dortigen PiS-Kandidatin einen Sieg über den bisherigen Stadtpräsidenten vorhersagt. Es besteht die Gefahr, dass die polnische Gesellschaft mit ihrem doch geringen Verständnis für Politik anfängt zu glauben, dass sie mit ihren Stimmen aus einer der tausenden Gemeinden im Land an diesem Streit zwischen PiS und PO teilnehmen müsste. Dabei vergessen sie, dass die U-Bahn in Warschau nichts zur Realität in Guttentag oder Kreuzburg beiträgt, dass auch ein Streit über das einmalig ausgezahlte Schulgeld "300+" nicht zu den Kompetenzen irgendeines der Organe gehört, die nun gewählt werden.

Es hat keine Bedeutung, ob ein Bürgermeister Rückhalt hat in einer der polenweiten Parteien. Für uns ist es allerdings wichtig, ob er Schlesien, Ermland oder Masuren versteht. Ob er in diese Region hineingewachsen ist und ihre Geschichte in Ehren hält. Eine Geschichte, die er nicht von Neuem schreiben will, sondern ihre deutschen, polnischen und anderen Elemente gleichermaßen schätzen wird. Die er aber auch im Rahmen seiner Tätigkeit weiter fortführen wird, sodass jeder Bewohner in Zukunft auf sie stolz sein kann.

Uns fehlen wirklich Menschen, die bereit sind, vergessene Denkmäler, Nachkriegslager für Deutsche, bedeutende Persönlichkeiten dieser Region, die die deutscher Kultur vertraten, zu ehren, für die regionale und deutschsprachige Bildung einzustehen und die ebenfalls die Partnerschaften mit den uns doch nahen deutschen Kommunen, Vereinen und Firmen entwickeln wollen, um so das europäische Netzwerk auch gegen den Unwillen der Regierenden weiter aufzubauen. (Es ist doch so, dass eine intensivere Verbindung mit der EU für uns, die sich kulturell nicht als Polen sehen, sowie für die, die eine weitere europäische Integration wollen, sicherer ist). Solche Menschen sind eben die, die mit der deutschen Minderheit verbunden sind. Denken wir daran beim Urnengang.

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Schlesisches Trauma

Die Genesung nach einem Krankenhausaufenthalt bietet die Möglichkeit, die Kultur näher zu erfahren, als es im Alltag der Fall ist. Ich konnte also mehrere Bücher lesen und gestern einen interessanten Film sehen. Ein bis jetzt ausstehendes Buch war der autobiographische Roman von Harry Thürk "Sommer der toten Träume". 

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