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Die Sünde der Versäumnis und den Hochmutes

Die Sünde der Versäumnis und den Hochmutes Quelle: pixabay.com

Gestern wurde ich zu einem von Millionen Zuschauern des Films „Tylko nie mów nikomu” (dt. Sag es niemandem). Allgemein gesehen hat der Film mein Wissen nicht sonderlich verändert, doch er traf mich mit seiner Tiefe der Folgen der Sünde der Versäumnis. Leider befürchte ich, dass ähnlich wie beim Tod von Paweł Adamowicz, der die Gräben zuschütten und zu einer positiven Veränderung führen sollte, auch hier sichtbar wird, dass die Instrumentalisierung der Sünde der Kinderschändung in der Kirche allem dienen kann, außer der Bekehrung. Obwohl dabei der Hauptprotagonist, um einmal bildlich zu sprechen, die Sünde der Pädophilie unter Geistlichen sein sollte, scheint es so zu sein, dass darin viel mehr Rede von der Sünde der Versäumnis, des Hochmutes und der Entfremdung vieler Vertreter des Priesterstandes und nicht nur der kirchlichen Hierarchie ist.

Im Film sieht man wenig Reue und wo sie auftaucht, ist sie tragisch ratlos. All die Sünden und moralische Stolperer sind Beweis für den Bruch mit Werten im gesellschaftlichen Sinne und für den Verrat an Jesus Christus im theologischen Sinn. Ein Verrat, der niemandem fremd ist, auch wenn er nicht immer die Gestalt geschändeter Kinder annimmt. Ich konnte mich nicht des Anscheins erwehren, dass zu Tätern eher die wurden, die sichtlich dem Hochmut erlagen oder heute dafür bekannt sind. Schon damals, als Pfarrer Jankowski goldene Halsketten und schneeweiße Anzüge trug sowie teure Autos fuhr, war er als Priester für mich so weit unglaubwürdig, dass die Information über seine Taten mich nicht mehr überraschen konnte. Als der heutige Bischof von Danzig noch Militärbischof gewesen ist, habe ich mich als Katholik dafür geschämt, was die Offiziere über ihn gesprochen haben. Es erstaunte mich aber immer, wieso ein solches Benehmen toleriert wurde.

Die Sünde der Versäumnis und die Akzeptanz des Hochmutes sowohl bei kirchlichen Würdenträgern als auch bei tausenden Gläubigen dauerte Jahre. Heute fallen täglich neue Namen und den Anklägern kann der Hochmut gefährlich werden sowie die Worte: "Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie dieser Pharisäer!". Die Kirche muss das Unkraut samt Wurzeln herausreißen. Zu lange hat sie gewartet und nun darf sie nicht bis zur Ernte warten, denn es droht ihr auch der Verlust des Weizens. Sie kann viele gute Menschen verlieren, die sie als Depositum (in Verwahrung) erhalten hatte, um sie sicher zur vorausgesagten Erlösung zu führen. Um so wenige wie möglich zu verlieren, muss die Kirche streng nach Innen und demütig nach Außen sein. Als also jemand unter meine Bilder vom sonntäglichen Aufenthalt auf dem St. Annaberg geschrieben hatte, dass es so ein kleines Tschenstochu sei, dachte ich, dass es hoffentlich nie dem stolzen Nationalheiligtum ähnlich werde, sondern ein bescheidener und stiller Ort des Gebetes der Sünder und Zöllner sowie der für die Erlösung offenen Heuchler bleibt.

Letzte Änderung am Donnerstag, 30 Mai 2019 08:56