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Ort der Begegnung?

Wrzesień 1939: Żołnierze niemieccy podczas zrywania polskiego godła ze szlabanu granicznego w Sopocie Quelle: Wikipedia.pl Wrzesień 1939: Żołnierze niemieccy podczas zrywania polskiego godła ze szlabanu granicznego w Sopocie

Das Jahr 2019 ist ein Jahr voller Jahrestage, sowohl der positiven, wie der Versöhnungsmesse in Kreisau odes des Berliner Mauerfalls, als auch der schwierigen, wie des Jahrestages der sog. schlesischen Aufstände. Vor allem schwer wiegt dabei allerdings der 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs. Aufmerksam beobachte ich die Diskussionen in Deutschland darüber sowie die Initiativen zum Gedenken in Berlin an polnische Opfer des Krieges und der Besatzung.

Solche Initiativen werden immer mehr. Zunächst sollte es nur ein Denkmal im Zentrum Berlins geben, doch Kritiker haben nicht zu Unrecht darauf aufmerksam gemacht, dass eine Vervielfachung von Denkmälern jedem einzelnen von ihnen die Bedeutung entziehe. Sie werden zu Elementen der Landschaft, an denen die Passanten gedankenlos vorbeigehen. Dann allerdings wird ein Denkmal, das etwas lehren oder an etwas erinnern soll, sinnlos. Ich will hier nicht auf andere Initiativen näher eingehen, doch man muss die letzte benennen, denn sie wurde unterzeichnet von den Bundestagsabgeordneten Alexander Müller (FDP), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Die Linke), Manuel Sarrazin (Die Grünen) und Paul Ziemiak (CDU). In einem gemeinsamen Brief unter der Überschrift „Ein prominenter Ort der Begegnung für Deutsche und Polen in Berlin ist nötig” stellen sie fest, dass statt eines Denkmals ein Ort der Begegnung entstehen sollte, der den polnischen Opfern von Krieg und Besatzung, ihrem Gedenken, der Verständigung, sowie dem Abbau gegenseitiger Vorurteile und der Vertiefung der guten Beziehungen und der Freundschaft gewidmet wäre.

In dem Brief wird auch die deutsche Minderheit als Teil der Bürgergesellschaft erwähnt, die ständige Impulse zur Versöhnung und Verständigung gebe. Auch wenn der Satz, dass man bei der Erinnerung mit Wertschätzung an die Spezifik des gegenseitigen Schicksals herangehen müsse, beruhigend klingt, so beunruhigt die Tatsache, dass der Ort nach Meinung der Autoren völlig einseitig sein und das Gedenken selbst mit dem Jahr 1945 enden soll. Es beunruhigt auch, dass die Autoren, die von der Überwindung der Stereotypen sprechen, schon in ihrem Brief diesen erliegen. Denn sie schreiben, dass „die deutsch-polnische Geschichte über Jahrhunderte davon geprägt ist, dass Deutsche Polen immer wieder bekriegen, beherrschen, unterjochen oder sogar vernichten wollten.“ Dies ist eine in Polen kolportierte These, die allerdings in seriösen Geschichtsabhandlungen keine Begründung findet.

Zum Schluss möchte ich feststellen, dass die Deutsche Minderheit seit Jahren dazu aufruft, Orte der Begegnung von Polen und Deutschen um die gemeinsame Geschichte zu schaffen. Dabei sollte es aber um die vollständige und niemand ausschließende Geschichte gehen, bei der sich ohne Relativierung auch Platz findet für deutsche Opfer des Nachkriegsterrors und Diskriminierung. Das Gedenken an die Kriegsopfer kann man auf dem heutigen Gebiet Polens nicht mit dem formalen Kriegsende beschließen.