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Łambinowice/Lamsdorf und ……

Hinter uns liegt Weihnachten und das Drei-Königs-Fest, das ja eigentlich Fest der Erscheinung des Herrn heißt. Und ab Montag begann für uns der Alltag des Jahres 2019.

In meinem Neujahrsbrief habe ich auf viele Jahrestage verwiesen, die für uns von Bedeutung sind und die in diesem Jahr begangen werden. Wir werden uns mit dem ausgerufenen Jahr der sog. schlesischen Aufstände messen, der in Polen ohne Zweifel entgegen unserem schlesischen Geschichtsverständnis propagandistisch als einer der ersten deutsch-polnischen Konflikte des 20. Jahrhundert dargestellt wird. Mit Demut werden wir den Jahrestag des Überfalls Nazideutschlands auf Polen annehmen, der einen Krieg entfachte, den die Welt noch nie gesehen hatte. Trotz Millionen von Opfern des Ersten Weltkrieges war der vor 80 Jahren begonnene Zweite Weltkrieg von seinem Charakter her etwas völlig anderes, das in der Geschichtsschreibung so noch nicht bekannt war. Sowohl der Krieg selbst als auch das, was nach seinem formalen Ende im Jahr 1945 geschehen ist. Nach dem formalen Ende, denn auch später noch forderte er seine Opfer.

Die Aussage, dass die Sieger die Geschichte schreiben, ist bekannt. Deswegen ist es am schwierigsten der Opfer der Sieger zu gedenken, da viel getan wurde und getan wird, damit das dunkle Kapitel in Vergessenheit gerät. Ähnlich oft wird durch die Interpretation der verbrecherischen Taten die Methode der Relativierung der Nachkriegstragödie von Millionen von Menschen betrieben. Denn es verloren ja Millionen ihr Vaterland, ihr Hab und Gut sowie ihre Heimat, und damit ihre Wurzeln, nachdem sie in einem bislang unbekannten Ausmaß der Vertreibung zum Opfer gefallen sind. Und als ob das zu wenig wäre, fielen in der Nachkriegszeit tausende von Bewohnern des deutschen Ostens und der Länder Mittel- und Osteuropas, in denen es eine deutsche Siedlungsgeschichte gibt, dem Hass der Polen, Russen, Tschechen, Ungarn, Jugoslawen und anderer zum Opfer. Auch wenn man mit Demut feststellen muss, dass der Krieg und die Art seiner Führung durch die verbrecherische Diktatur Hitlers, den Nachkriegsrächern Argumente geliefert hatte, kann doch niemand die Verbrechen an der Zivilbevölkerung der gewonnenen Gebiete entschuldigen. An die Opfer ebendieser Verbrechen wollen wir am letzten Januarsonntag erinnern.

Der VdG wird es symbolisch und traditionell auf dem Gelände des Nachkriegslagers in Lamsdorf tun, doch da es solcher Leidensorte der Deutschen in Schlesien oder Pommern hunderte gab, ermuntere ich Sie, dass unsere Ortsgruppen überall, wo es ein solches Lager gegeben hatte, ein ähnliches Gedenken veranstalten. Laden wir dazu alle Menschen ein, denen Frieden und Versöhnung nahe sind und die Patriotismus nicht mit Nationalismus verwechseln. Laden wir junge Menschen ein, deren Geschichtsbewusstsein oft einfach gestrickt ist, damit sie sich vor den Ideologien der Populisten schützen. Auch wenn sich in Schlesien die Bezeichnung Oberschlesische Tragödie eingebürgert hatte, denken wir daran, dass diese Region nur Zeuge von nur einem Teil der Verbrechen, der Vergewaltigungen und des Todes oftmals alter Menschen, Frauen und Kinder gewesen ist. Dieses Gedenken ist unsere Pflicht!