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Änderungen sind nicht immer gut

Ich denke, es ist verständlich, dass ich die heutige Kolumne den Wahlen widme. Ich beginne aber mit Wahlen, die am Sonntag in Bayern stattgefunden haben. Über Wochen wurde darüber diskutiert, dass die CSU darin ihre starke Position verliert und die Schuld daran schrieb man dem Streit zu, den über Monate Horst Seehofer und Angela Merkel miteinander führten. Einem Streit vor allem über die Migrationspolitik Deutschlands. Man muss dem hinzufügen, dass es ein Streit gewesen ist, der ungeachtet des Verhältnisses zum Problem der Migration und der Flüchtlinge, durch den Innenminister Seehofer wenig konsequent geführt wurde.

Wenn ein Grund für den Verlust eines Teils der Wähler wirklich die Migrationspolitik gewesen ist, dann spielten dabei nicht allein die Ansichten Seehofers eine Rolle, als viel mehr die Art ihrer Publikmachung, die mal aus scharfen Attacken und dann wieder Rückzügen bestand. Die Wähler hatten nicht das Gefühl, dass die Ansichten gleich bleiben und damit wert sind sie zu schützen. Die Wahlen, bei denen die CSU zwar immer noch die stärkste Kraft in Bayern geblieben ist, haben trotzdem die politische Landschaft verändert und die stärkste Partei wird nun ein Problem haben, eine sinnvolle Koalition zu bilden. Wird diese besser sein als die bisherige Regierung?

In Polen stehen die Wahlen erst bevor und von vielen Seiten hört man, dass es Zeit sei für Veränderungen. Dieser Ruf wurde auch im Oppelner Teil Oberschlesiens laut und zwar nicht nur bei Kandidaten der Partei Recht und Gerechtigkeit, sondern auch bei vielen kleineren Komitees in Landkreisen und Gemeinden. Auch da, wo seit vielen Amtsperioden in den Räten und den Amtsstuben der Bürgermeister Menschen von der Liste der Deutschen Minderheit sitzen, hörte man diese Rufe vonseiten der Opposition. Meistens merkt man aber, dass gerade diese Aussage im Grunde der einzige Inhalt dieser Oppositionsgruppen ist. Ihr Wahlprogramm entpuppt sich dagegen als inhaltsleer.

Man darf sich dabei nicht wundern. Schließlich sieht man ja wie mehrheitlich gut und skandallos die Gemeinden geleitet werden von Vertretern der Deutschen Minderheit oder zumindest mit ihrer großen Mitwirkung. Das ist keine Überraschung, sind es doch Einwohner, die seit Jahrhunderten mit Schlesien verbunden sind und diese Erde nicht nur als wirtschaftliches oder soziales Gut ansehen, sondern als Heiligtum, das sie von ihren Vorfahren erhalten haben. Niemand kümmert sich besser um seine Gemeinde oder Region als der, der sie als Heimat ansieht. Um sie aber so anzusehen, muss man das Wort richtig verstehen und aus dem Familienhaus die Liebe zu ihm bekommen. Die Änderung ist kein Wert für sich und ist auch nicht immer gut. Denken wir daran, wenn wir an der Wahlurne stehen!