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Versöhnungskitsch oder Spaltung

Ich hatte die Freude, bei der Verleihung des Kulturpreises Schlesiens des Landes Niedersachsen in Liegnitz dabei zu sein.  Dr. Tadeusz Samborski,  Vizemarschall der Woiwodschaft Niederschlesien, schrieb in seiner Einladung „Im Hinblick auf den ihm zugrunde liegenden klugen Leitgedanken können wir auch sagen, dank des Kulturpreises wurde ein geradezu unschätzbarer Beitrag für die neue Qualität unserer Beziehungen, für das neue bessere Miteinander zwischen unseren Gesellschaften geleistet und er ist heute, mehr als je zuvor, ein „Begegnungspreis“. 

Klingt sehr schön und sowohl die Veranstaltung als auch das im Saal der Liegnitzer Ritterakademie versammelte Publikum aus Polen und Deutschland scheinen das zu beweisen.  Viele Gäste aus Deutschland sind nach den Reden, Laudationes und Danksagungen begeistert gewesen und haben fast geglaubt, dass diese Stimmung das allgemeine Bild der Einstellung zu den deutsch-polnischen Verhältnissen in Polen widerspiegelt. Genauso konnte man nach dem Kulturfestival der Deutschen Minderheit in Breslau denken.  Besonders nach den Worten des polnischen Staatsoberhauptes Andrzej Duda: „Der Beitrag der Deutschen in die Entwicklung unseres Vaterlandes wird herrvoragend veranschaulicht durch ihren jahrhundertelangen Einsatz, als sie als Künstler, Kaufleute, Siedler oder Städtegründer zu uns gekommen waren. Die polnische Kultur ist z.B. ohne die  großen Werke von Veit Stoß kaum vorstellbar. Die historische Bilanz der deutsch-polnischen Beziehungen  ist zwar komplex , aber wir vergessen ja nicht, dass über Jahrhunderte  die Westgrenze die friedlichste Grenze der Republik Polen war und über diese Grenze hinweg wurden friedliche, anregende Kontakte gepflegt.“

 Aber die wirkliche Stimmung wird woanders gebastelt, z.B. in den Schulbüchern, wo über die jahrhundertelangen friedlichen Kontakte an den westlichen Grenzen Polens Stille herrscht. Eine andere politische Einstellung bewiesen hat die Änderung des IPN-Gesetzes oder die Tatsache, dass Besitzer der deutschen Staatsangehörigkeit neben der polnischen in Polen keine Richter sein dürfen.  Und diese Einstellung vermehrt sich so, dass, als die Breslauer Journalisten so der öffentlichen als auch privaten Fernsehsender  einen Bericht vom Kulturfestival bringen wollten, sie aus ihren Warschauer Zentralen gestoppt wurden. Kann man das nicht so verstehen, dass eine freundliche, friedliche und gut besuchte Veranstaltung der Deutschen in Polen nicht gewollt ist?

Leider konnte man die Konsequenzen dieser Vorgehensweise immer wieder im Internet lesen.  Unter dem Bericht vom Festival auf der Seite von Radio Wrocław konnte man einen Kommentar finden: „Guter Schwabe ist ein tote Schwabe.“  Soll das beweisen, dass unsere Versöhnungsarbeit und Brückenbau pleite ist? Umgekehrt, noch nie war sie so wichtig gewesen wie jetzt, wenn die Populisten und Nationalisten lauter geworden sind. Aber gleichzeitig darf Naivität, auch wenn sie politisch korrekt wäre, unter uns nicht herrschen.